Kürzung der Solarförderung zum 1. August 2012 in Großbritannien

In Großbritannien steht eine erhebliche Absenkung der Einspeisevergütung für Strom aus kleinen Photovoltaik Anlagen bevor. Zum 01. August soll die Vergütung für kleine Dachanlagen von rund 26 auf 20 Cent pro Kilowattstunde sinken. Kürzungen sind auch für große Anlagen vorgesehen, bislang aber noch nicht exakt beziffert worden. Damit reagiert die Regierung auf einen starken Zubau in den letzten beiden Jahren. Im Jahr 2010 wurde eine Einspeisevergütung für Kleinanlagen von immerhin 51 Cent pro Kilowattstunde beschlossen, was einen Boom der Photovoltaik auslöste. Nun versucht die Regierung gegenzusteuern, wobei sie sich eines Instruments bedient, das entfernt an den „atmenden Deckel“ im deutschen EEG erinnert.

So nah und doch so fern

Es scheint, als nähere sich Großbritannien der deutschen Strategie an: Zum 01. August soll ein deutlicher einmaliger Kürzungsschritt vorgenommen werden, anschließend soll die Einspeisevergütung regelmäßig in kleinen Schritten weiter abgesenkt werden. Das Tempo dieser weiteren Degression soll zeitnah anhand des tatsächlichen Zubaus festgelegt werden. Das mutet auf den ersten Blick eher very german als very british an, auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch fundamentale Unterschiede. Die grundlegende Differenz besteht in der Bewertung der Atomenergie in beiden Ländern. In Deutschland soll die Photovoltaik einen Beitrag zum Ausstieg aus der Atomenergie leisten, wovon in Großbritannien keine Rede sein kann. Ganz im Gegenteil: Atomstrom wird hier als emissionsarmer Ökostrom betrachtet, der zur Erreichung der CO2-Ziele gefördert wird. Die Regierung in London gehörte daher auch zu denen, die bei der EU eine Gleichbehandlung von regenerativen Energien und Atomstrom durchsetzen wollten. Auf europäischer Ebene gelang ihr die Umsetzung nicht, im eigenen Land verfolgt sie jedoch weiter diese Strategie.

Andere Zielvorgaben

Diese Grundsätzlich andere Strategie schlägt sich in der Formulierung der Zielvorgaben der Photovoltaik Förderung nieder. In Deutschland wird die Degression der Einspeisevergütung als Steuerungsinstrument genutzt, um den Zubau innerhalb eines Zielkorridors zu halten, der bislang zwischen 2,5 und 3,5 Gigawatt pro Jahr liegt. So lautet zumindest die Theorie, in der Praxis wurde dieser Korridor regelmäßig weit verfehlt. In Großbritannien soll über eine passende Wahl der Einspeisevergütung sichergestellt werden, dass die Renditen von Photovoltaik Anlagen mit denen der Atomkraftwerke konkurrieren können. Das britische Pendant zum deutschen Zielkorridor von 2,5 bis 3,5 Gigawatt ist also ein Rendite-Zielkorridor von sechs bis acht Prozent. Kritiker befürchten, dass dies zu sehr kurzfristigen Eingriffen in die Solarförderung führen wird, die keine langfristige Planung mehr erlauben. Ein scheinbar unantastbares Grundprinzip musste die Regierung dafür bereits ad acta legen, nämlich die Technologieneutralität. Mit dem Programm „contracts for difference“ werden Stromerzeugern feste Vergütungen zugesichert, die von der genutzten Technologie abhängen.