Schnee auf der Photovoltaikanlage! Kehren oder abwarten?

Was tun, wenn die Photovoltaikanlage von Schnee bedeckt ist? Einfach aufs Dach zu steigen und den Schnee zu entfernen, ist eine nahe liegende Möglichkeit, die allerdings zwei offensichtliche Probleme aufweist. Erstens wird der Rest des Dachs auch glatt und rutschig sein, wodurch diese Art der Reinigung zu einem gefährlichen Unterfangen wird. Zweitens reicht bei festgefrorenem Schnee kein weicher Besen, es müssen also härtere Räumwerkzeuge verwendet werden. Das allerdings birgt die Gefahr, die Oberfläche der Photovoltaik Module zu beschädigen. Automatische Systeme zur Schneebeseitigung auf Solarzellen stehen zur Verfügung, sind aber nicht ganz billig. Ob sich der Einsatz solcher Systeme wirtschaftlich lohnt, ist zweifelhaft und vom Einzelfall abhängig. Zumal Schneeprobleme naturgemäß auf die ohnehin vergleichsweise ertragsarme Jahreszeit beschränkt sind. Zu bedenken ist auch, dass der Schnee aufgrund der Neigung der Solarmodule meist rasch von den glatten Oberflächen abgleitet. Dies gilt insbesondere für rahmenlose Module.

Drohen der Photovoltaikanlage Schäden durch Schnee?

Grundsätzlich nicht. Das einzige denkbare Schadensszenario besteht darin, dass aufgrund einer sehr hohen Schneedecke die Halterungen der Module der mechanischen Belastung nicht mehr gewachsen sind. Übliche Schneehöhen müssen diese Montagevorrichtungen aushalten, hierfür haftet der Installationsbetrieb. Es empfiehlt sich daher, die Schneelast auf geeignete Weise zu dokumentieren, beispielsweise durch Fotos. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Fotos auch einen zum Größenvergleich geeigneten Gegenstand zeigen.

Automatische Systeme zur Schneeräumung

Mehrere Systeme werden angeboten, die auf unterschiedlichen Funktionsprinzipien basieren. Bei den einfachsten Systemen handelt es sich im Prinzip um automatische Schneebesen, die den Schnee von der PV-Anlage kehren. Diese weisen allerdings dasselbe Problem wie eine Räumung von Hand auf: Der Besen muss weich sein, um keine Beschädigungen der Module zu riskieren. Das bedeutet, dass er mit festgefrorenem Schnee überfordert ist. Eine zweite nahe liegende Idee besteht darin, dass Funktionsprinzip einer Solarzelle einfach umzukehren. Statt aus Strahlung Strom zu gewinnen, wird durch Strom Wärmestrahlung erzeugt, die den Schnee wegtaut. Ob sich solche Heizungen für Solarmodule energetisch lohnen, hängt von der Wetterlage ab. In einem Versuch der FH Darmstadt waren vier sonnige Wintertage erforderlich, um den zum Wegtauen des Schnees benötigten Strom wiederzugewinnen. Das allerdings gleicht zunächst nur die Energiebilanz aus. Um auch die wirtschaftliche Bilanz auszugleichen, muss zusätzlicher Strom erzeugt werden, der den Anschaffungspreis der Heizung deckt. Auch ein gänzlich anderer Ansatz wird verfolgt: Bei einsetzendem Schneefall wird automatisch eine Folie über die Module gezogen. Diese Folie wird im Abstand einiger Stunden regelmäßig von den Modulen abgezogen, womit auch der Schnee entfernt wird.

Kommentare

Bild des Benutzers Sven S
Einen guten Morgen werte PV-Gemeinschaft, ich vertrete die Meinung, dass im Fall der schneebedeckten Module einfach abgewartet werden sollte. Die Gefahr, die Module oder gar Personen zu Schaden kommen zu lassen, ist das bisschen Energie nicht wert. Im Winter ist der Energieertrag eh nicht sonderlich groß. Der Einstrahlwinkel der Sonne ist flach und die Sonnenstunden sind gering. Damit die Moduloberflächen nicht so schnell vereisen, kann auf den Einsatz von Auto-Enteiserspray zurückgegriffen werden. Aber immer bedenken, das oberste Kredo bleibt: keine Gefahr für Leib und Seele, sowie für die Technik!!! Der Energieertrag über das Jahr betrachtet, sollte vor allem in der Planungsphase, also VOR der Entscheidung für eine PV-Anlage, geschehen. Das kann durch den Energieberater oder durch die vertreibende Firma geschehen. Liegt der Einbauort der PV-Anlage in einer zum Bsp. gebirgigen oder bewaldeten Region, bei der mit erhöhter Verschattung zu rechnen ist, dann führt die Winterzeiten mit entsprechendem Schneeaufkommen nochmals zu fehlenden Ertragsstunden. Der Einsatz von PV ist dann nicht unbedingt kostendeckend. In diesem Fall ist auch der Einsatz von automatischen Räumern nicht zielführend. Denn es werden nur „unnötige“ Mehrkosten erzeugt, denen kein deutlicher Gewinnzuwachs gegenüber zu stellen ist. Daher ist im konkreten Fall eine Entscheidung zu treffen. Ich hoffe, meine Antwort regt zum weiteren Informations- bzw. Erfahrungsaustausch bzgl. des Themas an. Mit freundlichen Grüßen Sven S.

Neuen Kommentar schreiben