Ostdeutsche Länder treiben die Energiewende voran

Beim Ausbau erneuerbarer Energien spielen die ostdeutschen Länder eine entscheidende Rolle. In Mecklenburg-Vorpommern wurde im Jahr 2012 schon mehr als die Hälfte des gesamten produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen, womit dieses Bundesland unangefochten die Spitzenposition einnimmt.

Einige Zahlen von 2012

In Mecklenburg-Vorpommern betrug der Anteil grünen Stroms an der Gesamtproduktion 57,7 Prozent, wobei Wind- und Biogasanlagen dominieren. Eine bemerkenswerte Leistung, allerdings sind die Voraussetzungen auch sehr günstig. Mit nur 1,6 Millionen Einwohnern ist das Land sehr dünn besiedelt, die einzige Großstadt ist Rostock. Ein aufgrund der dünnen Besiedlung geringer Strombedarf in Kombination mit zahlreichen verfügbaren freien Flächen ermöglicht einen Anteil an Ökostrom, der in dicht besiedelten Regionen derzeit noch nicht erreichbar ist. Nicht zufällig nimmt Berlin mit nur 2,6 Prozent Stromerzeugung aus regenerativen Energien in dieser Statistik den letzten Platz ein. Berlin ist für keine der regenerativen Energien wirklich prädestiniert. Für Biomassepflanzen fehlt es an Platz für die Anbauflächen, für Windräder fehlt es ebenfalls an Platz. Darüber hinaus sind die Wetterbedingungen für die Windenergie mangels Seewinden auch nicht optimal. Auf dem zweiten Platz unter den Stromerzeugern findet sich mit Thüringen ebenfalls ein östliches Bundesland, hier wurden 2012 immerhin 44,9 Prozent des Stroms aus alternativen Energien gewonnen. Unter den westlichen Bundesländern nimmt Schleswig-Holstein mit einem Ökostromanteil von 37,6 Prozent den Spitzenplatz ein, Niedersachsen holte in den letzten Jahren stark auf. Hier zeigt sich allerdings, dass ein besonders schneller Ausbau auch seine Schattenseiten hat. Anders als Mecklenburg-Vorpommern verfügte das Land nicht über zahlreiche mehr oder weniger ungenutzte Flächen. Zahlreiche landwirtschaftliche Flächen wurden daher für den Anbau von Biomassepflanzen umfunktioniert, was zu Engpässen in der Futtermittelversorgung der Landwirtschaft führte. Über Risiken und Nebenwirkungen des forcierten Imports von billigen Futtermitteln geben die unzähligen Zehn-Punkte-Pläne des Verbraucherschutzministeriums Auskunft.

Bildquelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Ein Blick auf die Photovoltaik

Der Zubau der Photovoltaik bezogen auf die Einwohnerzahl spiegelt ein ähnliches Bild wieder, auch hier hängt vieles von den verfügbaren Flächen ab. Spitzenreiter war 2012 Brandenburg mit einem Zubau von 389,1 Kilowatt Nennleistung pro 1000 Einwohner. In dieser Statistik wirken sich Großprojekte auf Konversionsflächen deutlich aus, in Brandenburg wurden auf einigen ehemaligen Flughafenflächen große Photovoltaikanlagen errichtet. Die Plätze zwei bis vier gehen an Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt, die Gründe dafür sind ähnliche. Spitzenreiter im Westen ist Bayern mit 120,2 Kilowatt pro 1000 Einwohner. Hier spielen Dachflächen landwirtschaftlicher Gebäude eine Rolle – und die „Dachflächen“ von merkwürdigen neu errichteten Holzgestellen, die irgendwie als Scheunen getarnt werden, um in den Genuss der höheren Einspeisevergütung für Module auf Dächern zu kommen.