Trina Solar in Lateinamerika: Expansion aufgrund der Antidumpingklage?

Trina Solar gehört zu den chinesischen Herstellern von Solarmodulen, die von den Strafzöllen der USA betroffen sind und nun auch ins Visier der EU geraten sind. Möglicherweise hat das die Entscheidung des Unternehmens beeinflusst, sich verstärkt um den Markt in Lateinamerika zu bemühen. Wie das Unternehmen mitteilt, hat es zu diesem Zweck ein Büro in Chile eröffnet, von dem aus die Erschließung der Märkte in Südamerika vorangetrieben werden soll. Bereits im Juli hatte Trina Solar eine Niederlassung in Kanada eröffnet.

Trina Solar gibt sich gelassen

Selbstverständlich lauten die offiziellen Stellungnahmen des Konzerns nach wie vor, dass man keinerlei Befürchtungen wegen der jetzt von der EU angekündigten Überprüfung der Dumpingvorwürfe habe. Man erhalte keine unzulässigen Subventionen und werde der EU sämtliche Dokumente freiwillig zugänglich machen, um das zu beweisen. Ganz glauben kann man diese Gelassenheit nicht, denn für das Unternehmen geht es in diesem Anti-Dumping-Verfahren um die Existenz. Die Geschäfte in den USA laufen nicht zuletzt aufgrund der Strafzölle schlecht, was nur durch eine Ausweitung des Europageschäfts weitgehend kompensiert werden konnte. Insbesondere in Deutschland ist Trina Solar mit dieser Strategie sehr erfolgreich. Der ohnehin schon hohe Marktanteil von 28,1 Prozent im letzten Quartal 2011 konnte im ersten Quartal 2012 nochmals auf nunmehr 36,7 Prozent gesteigert werden. Dazu hat maßgeblich beigetragen, dass der Konzern die ohnehin schon niedrigen Produktionskosten erneut drücken konnte. Im ersten Quartal 2012 beliefen sich die Produktionskosten noch auf 0,58 Dollar pro Watt, im zweiten Quartal nur noch auf 0,52 Dollar. Hinzu kommen die Kosten für das Silizium, die nicht in diesen Zahlen enthalten sind.

Andere Märkte holen auf

Ob ein direkter Zusammenhang zwischen der Expansion in andere Weltregionen und den Verfahren in den USA und Europa besteht, ist jedoch fraglich. Die Erschließung von Wachstumsmärkten ist unabhängig davon eine sinnvolle Strategie, und eben diese Wachstumsmärkte liegen gegenwärtig nicht in Europa. Zwar ist der europäische Markt noch der größte, aber er schrumpft. Für 2012 wird ein Rückgang um drei Prozent erwartet. Große Wachstumsmärkte sind Indien und Japan und nicht zuletzt auch China selbst, das ebenfalls einige Solarprogramme aufgelegt hat. Südamerika bietet ebenfalls gute Chancen, weil in vielen Ländern ein Bedarf nach einer Ausweitung der Stromproduktion besteht und die klimatischen Bedingungen für die Photovoltaik gut sind. Die absoluten Zubauzahlen sind noch gering, aber die ansteigende Nachfrage ist spürbar. Trina Solar reagiert auf diese neuen Märkte auch dadurch, dass das Unternehmen sich nicht länger auf die Produktion der Solarmodule beschränkt, sondern auch Komplettsysteme anbieten will.