Schweiz: Einspeisevergütung für Solarstrom sinkt weiter

In der Schweiz sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom zum 1. Oktober, womit es im laufenden Jahr bereits zur dritten Absenkung kommt. Die Höhe der erneuten Absenkung ist nach der Anlagengröße gestaffelt, durchschnittlich sinkt die Einspeisevergütung um 15 Prozent. Zum Jahresbeginn war die Einspeisevergütung bereits um acht Prozent gesunken, in einem weiteren Kürzungsschritt wurde sie zum 01. März um zehn Prozent reduziert. Nicht betroffen von der jetzt beschlossenen Kürzung sind Anlagen, für die bereits eine Förderzusage erteilt wurde und die erst nach dem 1. Oktober ans Netz gehen.

Kostendeckende Einspeisevergütung

Die Schweiz wendet einen anderen Anpassungsmechanismus für die Einspeisevergütung an als Deutschland. Die Degression der Vergütung hängt nicht vom Zubau ab, sondern von der Differenz zwischen den Stromerzeugungskosten und dem aktuellen Marktpreis für Strom. Auf diese Weise soll jederzeit sichergestellt werden, dass eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich betrieben werden kann. Dasselbe Modell wird auch für andere Formen regenerativer Energien angewandt. Die Ermittlung der Kosten der Stromerzeugung liegt in den Händen des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Die schnelle Folge von Kürzungsschritten wird mit dem Preisverfall auf dem europäischen Markt für Solarmodule begründet. Auch die übernächste Absenkung steht schon fest, abgesehen von möglichen geringfügigen Änderungen der Höhe: Zum Jahreswechsel wird die Einspeisevergütung erneut um acht Prozent sinken. Nach Aussage des UVEK ist die weitere Kürzung zumindest mittelbar eine Folge der in Deutschland beschlossenen Kürzungen. In Deutschland sei die Nachfrage nach Solarmodulen eingebrochen, was den Preisverfall beschleunigt habe.

Swissmem fordert noch mehr

Der schweizerische Unternehmensverband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) fordert noch weitergehende Einschnitte in die Förderung. Die Schweiz verfolgt das Ziel, bis 2050 aus der Atomenergie auszusteigen, wobei erneuerbare Energien eine wichtige Rolle spielen sollen. Grundsätzlich tut die Schweiz damit genau das, was Vertreter der Wirtschaft in Deutschland fordern: Sie steigt langfristig aus der Atomenergie aus und vermeidet kurzfristige Abschaltungen von Reaktoren. Umso interessanter ist, dass die Stellungnahme der Industrie zu diesen Plänen nahezu identisch mit den entsprechenden Kommentaren in Deutschland ist. Die Einspeisevergütung verteuere den Strom unnötig, die Versorgungssicherheit sei gefährdet, der Netzausbau müsse forciert und die CO2-Ziele müssen aufgegeben werden, um den raschen Zubau von Gaskraftwerken zu ermöglichen. Gutes Anschauungsmaterial für alle, die glauben, die Akzeptanz der Energiewende in Deutschland durch eine Streckung des Zeitplans steigern zu können! Selbstverständlich haben die Unternehmen in der Schweiz auch einen guten Grund parat, warum es gerade jetzt nicht so gut passt mit der Energiewende: die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro. Deutsche Unternehmen müssten sich einen anderen Grund einfallen lassen, was ihnen sicherlich nicht schwer fiele.