Photovoltaik in der Türkei: Großes Potenzial zur Solarstromerzeugung

Die Voraussetzungen für einen schnellen Ausbau der Photovoltaik sind in der Türkei sehr günstig. Der Energiebedarf des Landes wächst schnell, bereits heute kann nur etwa ein Viertel des Energiebedarfs aus eigenen Rohstoffen gedeckt werden. Darüber hinaus sind die klimatischen Verhältnisse günstig für die Solarenergie.

Der Strombedarf wächst

Insbesondere die schnell wachsende Industrie führt in der Türkei zu einem raschen Anstieg des Strombedarfs. Betrug dieser 2011 noch 228 Milliarden Kilowattstunden, so wird bereits 2012 ein Anstieg auf 239 Milliarden Kilowattstunden erwartet. In den nächsten Jahren wird mit einem weiteren jährlichen Anstieg um etwa sieben Prozent gerechnet. Allein auf die Industrie entfallen mehr als 41 Prozent des Gesamtverbrauchs. Dem ständig steigenden Bedarf stehen nur begrenzte eigene Rohstoffe gegenüber, die zur Stromproduktion verwendet werden könnten. Lediglich einige eigene Braunkohlevorkommen tragen zur Stromproduktion bei, auch Brennholz kommt zum Einsatz. Insgesamt müssen heute mehr als 75 Prozent des Energiebedarfs importiert werden.

Bislang dienen regenerative Energien der Selbstversorgung

In der Türkei werden sowohl Wind- und Wasserenergie als auch Solarenergie regional bereits genutzt, die langen Küsten des Landes bieten dazu sehr gute Voraussetzungen. Solarthermische Anlagen werden oft zur Warmwasserbereitung genutzt, wenig verbreitet ist bislang jedoch die Photovoltaik in der Türkei. Wo sie genutzt wird, handelt es sich meist um Insellösungen zur Selbstversorgung mit Strom. Das liegt teilweise daran, dass eine Einspeisung von Solarstrom heute noch nicht rentabel ist. Vielerorts fehlen jedoch auch die technischen Voraussetzungen für eine Einspeisung. Auch in der Türkei bilden die Stromnetze eines der größten Hindernisse beim raschen Ausbau der Photovoltaik. Die Gesamtleistung der aktuell über das Land verteilten Inselanlagen ist nicht genau bekannt, allzu viel dürfte es aber nicht sein. Schätzungen schwanken zwischen einem und etwa drei Megawatt.

Weitreichende Ausbaupläne

Die regenerativen Energien sollen gemäß jetzt veröffentlichter Planungen bereits im Jahr 2023 einen Anteil von 30 Prozent zur Energieversorgung beitragen – also erheblich mehr, als die Türkei heute insgesamt aus eigenen Ressourcen gewinnt. Dieses Ziel ist umso ehrgeiziger, da die prognostizierte jährliche Steigerung des Energiebedarfs von sieben Prozent bis 2023 ungefähr eine Verdoppelung bedeutet. Die Rede ist also von deutlich mehr als der Hälfte des heutigen Energiebedarfs, die 2023 aus regenerativen Quellen erzeugt werden soll. Dazu soll zukünftig auch die Photovoltaik in der Türkei in größerem Umfang beitragen, weswegen insbesondere der Ausbau netzgekoppelter Photovoltaik Anlagen forciert werden soll. Deswegen wurde nun eine Einspeisevergütung beschlossen, allerdings weist die türkische Variante einige Besonderheiten auf.

Ohne Local Content geht es nicht

Local Content Klauseln werden in vielen Ländern diskutiert. Wer Photovoltaik Anlagen aus heimischer Produktion benutzt, bekommt gemäß dieser Klauseln einen Bonus auf die Einspeisevergütung. Dieser Bonus macht in der Türkei jedoch einen solch hohen Anteil an der Gesamtförderung aus, dass eine Einspeisung ohne die Verwendung einheimischer Komponenten nicht wirtschaftlich wäre. Die reine Einspeisevergütung beläuft sich auf 13,3 US-Cent pro Kilowattstunde. Der Aufschlag für Solarzellen aus eigener Produktion beläuft sich auf immerhin 3,5 US-Cent, selbst für Modulhalterungen aus heimischer Produktion werden nochmals 0,8 US-Cent pro Kilowattstunde aufgeschlagen. Das ist mutig, denn die „heimische Produktion“, aus der all das stammen soll, gibt es noch gar nicht. Offenbar sollen ausländische Photovoltaik Hersteller veranlasst werden, Teile ihrer Produktion ebenfalls in die Türkei zu verlagern. Das ist zumindest konsequent. Die Offensive in Richtung der regenerativen Energien ist keinesfalls primär ökologisch motiviert, sondern ökonomisch. Die immensen Energieimporte drücken schwer auf die türkische Außenhandelsbilanz. Das ist nicht nur teuer, sondern stellt auch ein Problem für die Beitrittsambitionen zur EU dar. Das Kalkül könnte aufgehen. Die Produktionskosten in der Türkei sind deutlich niedriger als in den westlichen Industriestaaten. Von hier aus ließen sich auch die potenziellen Zukunftsmärkte des Nahen Ostens beliefern.

Bildquelle: David Monniaux unter CC BY-SA 3.0