Kleine Dachanlagen werden für den italienischen Photovoltaik Markt wichtiger

Italien zählte in den vergangenen Jahren zu den weltweit wichtigsten Märkten für Photovoltaikanlagen. Im Jahr 2011 hat das Land nach Einschätzung einiger Marktbeobachter sogar Deutschland als größten Photovoltaik Markt abgelöst. Wie auch hierzulande war dieser Boom primär eine Folge der großzügigen staatlichen Förderung. Jetzt stehen deutlich Senkungen der Förderung an, die so drastisch ausfallen, dass sie von einigen Experten als kompletter Ausstieg aus der Photovoltaik bewertet werden. Einzig im Marktsegment kleiner Anlagen findet nach wie vor eine Förderung statt, weswegen eine Verschiebung der Nachfrage in diese Richtung erwartet wird.

Förderung der Freiflächenanlagen wird gestrichen

Die Förderung für mittlere und große Freiflächenanlagen wird in Italien komplett gestrichen, ebenso die für große Dachanlagen. Offiziell ist zwar nicht von einer Beendigung der Förderung die Rede, sondern nur davon, dass die bereitgestellten Fördermittel bereits ausgeschöpft seien. Das führte aber dazu, dass bereits im Februar das Register geschlossen wurde, in dem Großanlagen zur Förderung vorgemerkt werden müssen. Im Jahr 2012 werden also keine Förderzusagen für solche Anlagen mehr erteilt. Förderfähig werden künftig nur noch kleine Dachanlagen mit einer Leistung von nicht mehr als 12 Kilowatt sein. Auch die so genannte gebäudeintegrierte Photovoltaik wird weiterhin gefördert. Diese Änderungen treffen den italienischen Markt hart, weil kommerzielle Großanlagen hier bislang eine herausragende Rolle spielten. Immerhin 5,3 Gigawatt des gesamten Zubaus von 9,3 Gigawatt entfielen im Vorjahr auf dieses Segment. Die Hoffnung italienischer Hersteller und Installationsbetriebe ruht daher nun auf den Kleinanlagen, die von der Schließung des Registers nicht betroffen sind. Offen bleibt, wie lange das der Fall sein wird. Die italienische Regierung verfolgt offenbar das Ziel, bei der Photovoltaik Förderung teilweise die Einsparungen im Staatshaushalt zu erzielen, die ihr die europäische Sparpolitik abverlangt. Angesichts der bisherigen Vorgehensweise ist nicht zu erwarten, dass sie einer bloßen Verschiebung der Fördermittel hin zu den Kleinanlagen tatenlos zusehen wird.

Umdenken erforderlich

In Italien wurden Photovoltaikanlagen bislang als reine Renditeobjekte betrachtet, ökologische Erwägungen spielten bei den Investoren meist keine Rolle. Die veränderte Förderlandschaft erfordert ein Umdenken in diesem Punkt. Photovoltaik muss als ein Instrument für langfristige Energieeinsparungen verstanden werden, die Renditechancen müssen für dementsprechend lange Zeiträume bewertet werden. Anstelle der direkten Förderung tritt für private Hausbesitzer der Aspekt der Stromkostensenkung in den Vordergrund. All das klingt erstaunlich vertraut. Und wie viel bei kommerziellen Anlegern in Deutschland vom blütenweißen Ökogewissen bleibt, wenn die Renditen deutlich sinken, bleibt abzuwarten. Sofern nach der Ablehnung im Bundesrat die geplanten drastischen Kürzungen überhaupt in Kraft treten.