Erste Solaranlagen in der sonnenreichsten Region der Welt: Chile

Südamerika ist ein sehr guter Standort für Photovoltaik Anlagen. Dafür gibt es mehrere Gründe, zu denen auch die hohe Sonneneinstrahlung zählt. In der Atacamawüste in Chile, wo jetzt eine 300-Kilowatt-Anlage in Betrieb genommen wurde, ist sie selbst für südamerikanische Verhältnisse außergewöhnlich hoch, nämlich doppelt so hoch wie in Deutschland. Damit ist die Atacamawüste die sonnenreichste Region der Welt und es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie als Standort für Photovoltaik Anlagen entdeckt werden würde.

Typisch für Südamerika ist darüber hinaus, dass es kein Überangebot an Strom gibt, sondern eine große Nachfrage. Und nicht zuletzt sind die landesweiten Stromnetze insbesondere in den ländlichen Regionen nach europäischen Maßstäben sehr dürftig ausgebaut. Unter diesen Voraussetzungen verwundert es nicht, dass zahlreiche Staaten der Region die Photovoltaik als Instrument der dezentralen Energieversorgung in der Fläche entdeckt haben. Auch das jetzt in Chile realisierte Projekt wurde daher staatlich gefördert. Immerhin 40.000 US-Dollar steuerte die chilenische Regierung als direkte Förderung bei, hinzu kamen verbilligte Kredite der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Photovoltaik Strom für die Grundwasserpumpen

Der erzeugte Strom soll genutzt werden, um die Felder in der Umgebung mit Grundwasser zu versorgen. In der Region werden seit Generationen Trauben angebaut, was aufgrund des sinkenden Grundwasserspiegels zunehmend schwieriger wird. Mittlerweile muss das Wasser aus einer Tiefe von etwas 150 Metern hochgepumpt werden. Ein für eine Photovoltaik Anlage idealer Einsatzzweck! Strom lässt sich nur mit großem technischem Aufwand speichern, aber Wasser auf sehr einfache Weise. Die täglichen Schwankungen der Stromproduktion stellen daher kein Problem dar, das tagsüber geförderte Grundwasser kann nachts die Bewässerungsanlagen speisen.

Weitere Projekte in Chile

Einige Probleme Chiles muten ziemlich deutsch an. Die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen neue Kraftwerke sind relativ hoch, die bürokratischen Hürden ebenfalls. Gleichzeitig sieht sich das Land mit einem steigenden Strombedarf konfrontiert, nicht zuletzt aufgrund des hohen Energiebedarfs des Bergbaus. Chile gehört zu den großen Kupferlieferanten, steigende Kupferpreise lassen auch den Abbau tieferer Lagerstätten wirtschaftlich rentabel erscheinen. Der daraus resultierende Strombedarf soll verstärkt aus regenerativen Energien gedeckt werden, bis 2020 wird an Anteil von 20 Prozent an der gesamten Stromerzeugung des Landes angestrebt. Im Norden Chiles wurde unlängst ein Kraftwerk mit einem batteriebasierten Stromspeicher mit einer Leistung von 20 Megawatt ausgestattet, weitere noch größere Systeme befinden sich bereits in der Planung. Primäres Ziel dieses Projekts ist die Verbesserung der Versorgungssicherheit, also die Überbrückung von Stromausfällen. Dass das chilenische Stromnetz auf diese Weise nebenbei für den Einsatz der Photovoltaik fit gemacht wird, wir einstweilen noch als angenehmer Nebeneffekt betrachtet.