Entwicklung der Photovoltaik Förderung in Europa

Die intensive Förderung der Photovoltaik in Deutschland zeigt auch außerhalb der Landesgrenzen Wirkung. Zwei Mechanismen sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass der deutsche Photovoltaik Boom eine ansteckende Wirkung auf andere europäische Länder hat. Erstens wurde in Deutschland erfolgreich demonstriert, dass Photovoltaik funktioniert. Die auf vielen privaten Hausdächern installierten Anlagen erweisen sich als relativ wartungsarm und können auch die Versprechungen hinsichtlich der Lebensdauer offensichtlich erfüllen. Derartige erfolgreiche Referenzprojekte tragen bei jeder neuen Technologie entscheidend zur Verbreitung bei. Zweitens hat die hohe Nachfrage nach Photovoltaik Modulen hierzulande dazu geführt, dass sich anbieterseitig ein intensiver Wettbewerb entwickelt hat, der deutliche Preissenkungen zur Folge hatte. Mittlerweile steht die Photovoltaik daher kurz davor, auch ohne Förderung wirtschaftlich betrieben werden zu können. Dadurch können zukünftig zahlreiche – insbesondere osteuropäische – Märkte erschlossen werden, die keine Förderung nach deutschem Vorbild kennen.

Wachstum trotz sinkender Förderung

So sieht zumindest das amerikanische Marktforschungsunternehmen Solarbuzz die nähere Zukunft der Photovoltaik in Europa. Die beiden Hauptmärkte Italien und Deutschland werden dabei gemäß Solarbuzz im Jahr 2012 an Bedeutung verlieren, hier wird ein Nachfragerückgang um 37 Prozent prognostiziert. Hauptgrund für diesen drastischen Rückgang ist die politische Entscheidung, die Förderung nach dem Boomjahr 2011 deutlich herunterzufahren. Konkrete Beschlüsse hierzu wurden noch nicht gefasst, stehen aber unmittelbar bevor. Die Gesamtnachfrage im ersten Quartal 2012 soll dennoch um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Insbesondere in Spanien, Griechenland, Belgien und Frankreich wird mit einer deutlich verstärkten Nachfrage gerechnet. Auch in diesen Ländern ist von einem durch staatliche Förderung geprägtem Markt auszugehen, wenngleich die Motive sich von denen der deutschen Politik teilweise erheblich unterscheiden. Für Spanien und Griechenland, zwei klimatisch sehr gut für die Photovoltaik geeignete Länder, spielen gesamtwirtschaftliche Überlegungen eine entscheidende Rolle: Der Export von Solarstrom kann zur Verringerung der Handelsbilanzdefizite gegenüber den EU-Partnern beitragen.

Europäische Förderung bleibt ein Flickenteppich

Eine einheitliche Förderpolitik innerhalb der EU scheint derzeit unrealistisch, stattdessen werden nach wie vor höchst unterschiedliche nationale Regelungen Anwendung finden. Dabei kann zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Ansätzen unterscheiden werden. Großbritannien und einige andere Staaten setzen auf technologieneutrale Fördermodelle. Energiekonzerne, die von der Förderung profitieren möchten, müssen eine Mindestquote an erneuerbaren Energien einhalten. Wie sie das tun, bleibt ihnen überlassen. Deutschland ist dagegen ein Beispiel für eine technologiebezogene Förderung. Die Förderung erfolgt über eine Einspeisevergütung, die sehr genau zwischen unterschiedlichen Technologien differenziert: Groß- oder Kleinanlage, On- oder Offshore? Ob eine Vereinheitlichung der Förderung in Europa wirklich in deutschem Interesse läge, darf angezweifelt werden. Kurz und knapp brachte EU-Kommissar Oettinger das Problem auf den Punkt: „Wäre die Photovoltaik Förderung EU-weit einheitlich, würden Solaranlagen nicht in Thüringen stehen.“

Neuen Kommentar schreiben