TÜV und Frauenhofer ISE erforschen Brandgefahr der Photovoltaik

Der TÜV Rheinland führt gemeinsam mit der Forschungseinrichtung Fraunhofer ISE eine Studie zur Brandgefahr durch Photovoltaikanlagen durch. Dabei handelt es sich nicht um eine technische Analyse möglicher Brandgefahren – diese sind hinlänglich bekannt. Vielmehr geht es darum herauszufinden, wie oft Photovoltaikanlagen tatsächlich Gebäudebrände verursachen. Einige Fälle sind dokumentiert, es ist jedoch davon auszugehen, dass sich in der Statistik weitere Fälle verbergen, in denen die Brandursache als ungeklärt gilt. Um hier für Klarheit zu sorgen, führen TÜV und ISE eine umfangreiche Befragung durch, in die alle Beteiligten einbezogen werden. Dazu gehören neben Brandsachverständigen und Feuerwehren beispielsweise auch Installateure, Händler und Versicherungen.

Der Kern des Problems

Eine Photovoltaikanlage bezieht keinen Strom, sondern liefert Strom. Das bedeutet, dass sie auch dann aktiv bleibt, wenn das brennende Gebäude vom Stromnetz getrennt wird. Das Hauptproblem bildet die elektrische Leitung, mit der die Solarmodule auf dem Dach mit dem meist im Keller installierten Wechselrichter verbunden sind. Diese Leitung steht unter einer Spannung von etwa 1000 Volt. Zum Vergleich: Eine Spannung von 120 Volt auf einer Gleichstromleitung gilt gemäß DIN bereits als lebensbedrohlich. Solange die Leitung intakt ist, stellt das dennoch kein Problem dar. Ein unsauberer Steckkontakt mit hohem elektrischem Widerstand kann jedoch bereits zur Katastrophe führen. Die Kombination aus hohem Widerstand und hoher Spannung führt dann zu einer extremen Aufheizung, die Schwelbrände verursachen kann. Ebenso folgenschwer kann eine Unterbrechung der Leitung sein, beispielsweise durch einen Bruch. Die hohe Spannung kann in diesem Fall zur Ausbildung eines Entladungsbogens führen, der die Umgebung unmittelbar in Brand setzt.

Photovoltaikanlagen behindern Löscharbeiten

Selbst eine absolut fehlerfrei arbeitende PV-Anlage wird zum ernsten Problem, wenn im Gebäude aus anderen Gründen ein Feuer ausbricht. Es wäre in diesem Fall für die Feuerwehr lebensgefährlich, einen Wasserstrahl auf die unter hoher Spannung stehende Anlage auf dem Dach zu richten. Auch ein Betreten der Anlage auf dem Dach ist aus denselben Gründen unmöglich.

Abhilfe ist möglich

Viel wäre schon gewonnen, wenn für Photovoltaikanlagen einheitliche Bau- und Kennzeichnungsvorschriften erlassen würden, wie das bei normalen Gas- und Stromleitungen der Fall ist. Gegenwärtig müssen Feuerwehren im Brandfall erst mühsam das Gebäude erkunden und nach der Strom führenden Leitung suchen. Technische Lösungen stehen ebenfalls bereits zur Verfügung, sind aber recht teuer. Dazu gehören beispielsweise Systeme, in denen Solarzellen nur Strom erzeugen, solange sie ein spezielles Steuersignal empfangen. Zusätzlich kann das Angebot der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. wahrgenommen werden, die Anlage einem Sicherheitscheck zu unterziehen.

Bildquelle: TÜV Rheinland Group