Stromhändler riskieren Blackout

Stromhändler haben in den kalten Wochen seit dem 06. Februar 2012 das deutsche Stromnetz mehrmals an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Der Grund dafür war denkbar einfach, der Strom war ihnen zu teuer. In Spitzenzeiten stieg der Strompreis auf bis zu 380 Euro pro Megawattstunde, was ungefähr das Siebenfache des üblichen Preises ist. Zu diesen Preisen wollten Händler nicht mehr einkaufen. Stromhändler sind jedoch gesetzlich verpflichtet, die Strommenge zu kaufen, die ihre Kunden benötigen. Vieles deutet darauf hin, dass sie für dieses Problem eine kreative Lösung gefunden haben, indem sie die Bedarfsprognosen künstlich nach unten korrigierten. Die Folge war, dass die Stromnetze zeitweise mit der so genannten Regelleistung betrieben werden mussten. Dabei handelt es sich um die Notreserve, die bei schweren Störfällen den Blackout der Netze verhindern soll. Ein planmäßiges Angreifen dieser Notreserve ist nicht zulässig, ihr Einsatz ist ausschließlich in Notfällen erlaubt. Der Vorwurf, solche Notfälle durch gefälschte Bedarfsprognosen vorsätzlich herbeigeführt zu haben, wiegt schwer. Trifft er zu, haben die Händler bewusst in Kauf genommen, aus Profitstreben den Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes zu riskieren.

Ist die Strombörse eine Fehlkonstruktion?

Nicht wenige Experten behaupten das. Die Strombörse stellt einen Versuch dar, den Handel an einer zentralen Stelle zu bündeln, wie das etwa auch bei Getreide- oder Rohstoffbörsen geschieht. Auf diese Weise sollen das gesamte Angebot und die gesamte Nachfrage zusammengeführt werden, was theoretisch zu einer marktgerechten Preisbildung führen soll. In der Praxis erweist sich aber, dass Strom ein sehr spezielles Handelsgut ist. Strom muss in der Sekunde verbraucht werden, in der er produziert wird. Und er muss immer in dem Umfang gekauft werden, wie er aktuell benötigt wird. Kurz: Strom kann nicht zwischengelagert werden. Das führt zu Effekten, die normale Märkte nicht kennen. So kommt es in Phasen schwacher Last vor, dass Stromerzeuger Geld dafür bezahlen, dass jemand ihren Strom verbraucht. Der Strompreis wird also negativ. Das kann unter Umständen billiger sein, als die Kraftwerke herunterzufahren. Das allerdings ist eine Ausnahmesituation, im Regelfall sind die Stromerzeuger die Profiteure der Besonderheiten des Strommarktes.

Preisbildung anhand der Grenzkosten

Mit der Einführung der Strombörse änderte sich das grundlegende Prinzip der Strompreisbildung. Nicht die durchschnittlichen Erzeugungskosten bestimmen den Preis, sondern die Kosten des teuersten aktuell am Netz befindlichen Kraftwerks. Das verleiht den Großkonzernen enorme Marktmacht, die über die gesamte Palette von Kraftwerkstypen verfügen. Decken sie die Spitzenlast bewusst mit einem teuren Kraftwerk ab, explodiert der Preis für den gesamten gehandelten Strom. Auch das ist im Februar 2012 geschehen.

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