Steigende Solarstromerzeugung drängt Kohlekraft ins Abseits

Steinkohlekraftwerke gehören zu den besonders teuren Stromerzeugern. Das bedeutet, dass sie als erste vom Netz gehen, wenn das Angebot an Strom die Nachfrage übersteigt. Bislang war die Welt für die Betreiber von Kohlekraftwerken dennoch weitestgehend in Ordnung, denn die Nachfrage nach Strom ist um die Mittagszeit besonders hoch. Dann werden die höchsten Strompreise erzielt, und genau dann waren diese Kraftwerke bislang besonders gefragt.

Photovoltaik deckt die Mittagslast ab

Mit dem rasanten Zubau der Photovoltaik hat sich das geändert. Photovoltaikanlagen liefern mittags den meisten Strom und decken daher den Spitzenbedarf zu dieser Tageszeit ab – zumindest an sonnigen Tagen. Damit bricht die wesentliche Einnahmequelle für Steinkohlekraftwerke weg. Das führt dazu, dass Investitionen in neue Kraftwerke zunehmend unattraktiv werden, einige Investoren haben sich bereits aus solchen Projekten verabschiedet. In Schleswig-Holstein war beispielsweise der Bau von vier Steinkohlekraftwerken geplant, um die vom Netz gehenden Kernkraftwerke zu ersetzen. Mittlerweile stehen alle Projekte auf der Kippe, weil Investoren keine ausreichenden Renditechancen mehr sehen. Bislang galt eine jährliche Betriebsdauer von etwa 4.500 Stunden als typischer Richtwert für solche Kraftwerke, mittlerweile sind es wegen des Solarstroms nur noch etwa 3.000 Stunden. Und die Tendenz zeigt weiter nach unten.

Installierte Leistung ist nicht gleich gesicherte Leistung

Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese Kraftwerke in näherer Zukunft nicht verzichtbar sind. Denn die installierte Leistung an Strom aus regenerativen Energien ist deutlich höher als die gesicherte Leistung, deren Verfügbarkeit jederzeit garantiert werden kann. Die schwierige Frage lautet, wie hoch diese gesicherte Leistung eigentlich ist. Einfache Berechnungen sehen nur den Strom aus Biomasse Kraftwerken als gesicherte Leistung an, Strom aus Wind- und Sonnenenergie jedoch nicht. Das wiederum ist zu einfach, weil eigentlich keine Wetterlage denkbar ist, bei der nirgends die Sonne scheint und nirgends Wind weht. Das macht es so kompliziert: Die gesamte gesicherte Leistung ist nicht gleich der Gesamtleistung aus Stromquellen, die individuell als gesichert gelten können. Zu einem gewissen Prozentsatz müssen auch Wind- und Solarenergie als gesichert betrachtet werden. Nur zu welchem?

Wie sollen Grundlastkraftwerke finanziert werden?

Die Beantwortung dieser Frage ist wichtig, weil sie zur Ermittlung des Bedarfs an Kohle- und Gaskraftwerken unerlässlich ist. Soweit solche Kraftwerke noch erforderlich sind, muss ihr wirtschaftlicher Betrieb sichergestellt werden. Dazu sind verschiedene Modelle denkbar. Möglich wäre beispielsweise, auch die Bereithaltung von aktuell nicht benötigten Kraftwerkskapazitäten zu vergüten. Oder es wird ein Aufschlag auf den Strompreis gewährt, wenn diese Kraftwerke kurzfristig einspringen müssen. Wie auch immer, in jedem Fall wird der Stromkunde auf irgendeinem Weg auch die bloße Bereitstellung von Kapazitäten bezahlen müssen. Daher ist es von großer Bedeutung, die tatsächlich benötigten Kapazitäten relativ genau zu ermitteln.

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