Starker Photovoltaik-Zubau in Deutschland und Großbritannien

Sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland ist ein starker Zubau an Photovoltaikanlagen zu verzeichnen, allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Hier wie dort reagierten Investoren damit auf angekündigte Kürzungen der Einspeisevergütung, denen sie durch vorgezogene Projekte entgehen wollten.

Politische Diskussionen prägten das erste Halbjahr in Deutschland

Die Bundesnetzagentur hat die Zubauzahlen des ersten Halbjahres 2012 veröffentlicht, das von einer intensiven Diskussion um die Zukunft der Photovoltaik Förderung geprägt war. Wirtschaftsminister Rösler und der damalige Umweltminister Röttgen hatten sich auf eine extrem kurzfristige Kürzung der Einspeisevergütung geeinigt, die sich aufgrund erheblicher politischer Widerstände um Monate verzögerte. Investoren nutzten diese Gnadenfrist, um Ihre Projekte noch rechtzeitig abzuschließen und so von den alten Regelungen zu profitieren. Im Ergebnis wurden nahezu 4,4 Gigawatt zugebaut. Damit wiederholt sich, was in den Vorjahren bereits zu beobachten war: Der Zielkorridor, der einen jährlichen Zubau zwischen 2,5 und 3,5 Gigawatt vorsieht, wurde bereits im ersten Halbjahr weit übertroffen. Der Zusammenhang mit der übereilten Ankündigung der Kürzungen ist offensichtlich. Allein im März wurden als Reaktion darauf mehr als 1,2 Gigawatt zugebaut. Der hohe Zubau wird nicht ohne Auswirkungen auf die künftige Degression der Einspeisevergütung bleiben. Bis einschließlich Oktober ist eine monatliche Absenkung um ein Prozent festgeschrieben, danach wird sich die Degression wieder am Zubau orientieren. Aufgrund des starken Zubaus wird die Einspeisevergütung dann vermutlich um deutlich mehr als zwei Prozent pro Monat sinken.

Geteilter Markt in Großbritannien

Ein dem deutschen EEG vergleichbares System wendet Großbritannien nur für Kleinanlagen bis vier Kilowatt an. In diesem Marktsegment ist eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland zu beobachten, allerdings auf niedrigerem Niveau. Großbritannien weist wöchentliche Zubauzahlen aus, die im bisherigen Jahresverlauf zwischen 10 und 40 Megawatt schwankten. Wie in Deutschland zeigen sich Zubauspitzen vor anstehenden Kürzungen der Einspeisevergütung und jeweils ein kurzfristiger Einbruch danach. Auch Großbritannien hat Erfahrungen mit einer kurzfristig verschobenen Absenkung der Förderung: Anfang des Jahres musste eine Kürzung aufgrund einer Gerichtsentscheidung um drei Monate verschoben werden, was auch dort für kurzfristige Rekordzubauraten sorgte. Der insgesamt nach wie vor geringe Zubau ist eine Folge des Quotenmodells, das für größere Anlagen angewandt wird. Für diese Anlagen wird keine direkte Förderung gewährt. Stattdessen sind Energieversorger verpflichtet, eine Mindestquote an Ökostrom zu erfüllen, wobei sie sich zwischen Windenergie, Solarstrom, Wasserkraft und Strom aus Biomasse frei entscheiden können. Dieses Modell gewährt Anlegern keine Investitionssicherheit, was sich als entscheidendes Manko des Quotenmodells erweist: Energiekonzerne müssen teilweise Strafzahlungen leisten, weil nicht genügend Ökostrom zur Verfügung steht, um die Quote zu erfüllen.