Bundesnetzagentur bestätigt Netzausbauplan

Im Wesentlichen hat die Bundesnetzagentur in ihrem Netzentwicklungsplan die Ausbaustrategie der Übertragungsnetzbetreiber bestätigt. Zwar enthält der Netzausbauplan nur 51 der insgesamt 74 von den Betreibern vorgeschlagenen Projekte, aber das bedeutet nicht, dass die übrigen 23 Projekte damit abgelehnt worden wären. Die ausgewählten 51 Projekte wurden lediglich mit besonders hoher Priorität versehen, sie sollen daher bis spätestens 2022 komplett umgesetzt sein. Es ist damit zu rechnen, dass viele der verbleibenden 23 Projekte in späteren Netzentwicklungsplänen auftauchen werden.

HGÜ – Zurück in die Zukunft

Zu den als vordringlich eingestuften Projekten zählen auch drei der vier vorgeschlagenen HGÜ-Trassen. Die Abkürzung HGÜ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Die Idee, Strom über weite Strecken als Gleichstrom statt als Wechselstrom zu übertragen, ist nicht neu und wurde international schon auf einigen Strecken realisiert. Auch in Deutschland wurde schon vor mehr als 100 Jahren lokal mit Gleichstromübertragungen experimentiert, die Versuche wurden aber bald eingestellt. Der Vergleich zwischen der Wechsel- und der Gleichstromübertragung fällt grob so aus: Bei der Einspeisung des Gleichstroms fallen höhere Verluste als bei der heutigen Wechselstromeinspeisung ins Netz an. Im Gegenzug sind die Übertragungsverluste auf der Leitung deutlich geringer. Je länger die Leitung ist, desto besser schneidet die HGÜ in diesem Vergleich ab. Daher ist es konsequent, dass HGÜ zunächst für die Nord-Süd-Trassen vorgesehen ist, die den Strom der offshore Windparks nach Süddeutschland transportieren sollen. Eine kompakte und lesenswerte Darstellung zum Thema HGÜ des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags findet man auf der Homepage des Bundestags.

Der weite Weg bis zur Umsetzung

Der Netzentwicklungsplan dient der Bundesregierung als Grundlage für die Bedarfsplanung. Diese wird vom Bundeskabinett verabschiedet und schließlich vom Bundestag als Gesetz in Kraft gesetzt. Auf diesem Weg warten aber noch einige Stolpersteine, weswegen gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden kann, dass noch Änderungen an der Planung vorgenommen werden. Dass der Netzentwicklungsplan möglicherweise noch arg gerupft werden könnte, ist der Bundesnetzagentur jedoch nicht anzulasten. Sie war verpflichtet, den Plan jetzt vorzulegen. Die Bundesländer werden jedoch erst Mitte nächsten Jahres einen abgestimmten Plan zum Ausbau der erneuerbaren Energien vorlegen – so sie sich denn überhaupt werden einigen können. Erst dann wird klar sein, ob die Südländer den Strom überhaupt haben wollen, der durch die HGÜ-Leitungen zu ihnen transportiert werden soll. Bislang favorisieren sie noch eine autarke Stromversorgung mit onshore Windrädern und Photovoltaik Anlagen.