Siemens will sich auf Wind und Wasser konzentrieren

Siemens verabschiedet sich aus der Solartechnologie. Weder die Photovoltaik noch die Solarthermie sollen in Zukunft noch eine Rolle im Konzern spielen. Auf beiden Geschäftsfeldern wurden die Umsatzerwartungen deutlich verfehlt.

Preisdruck als Hauptargument

Siemens war im Bereich Photovoltaik nie als Modulhersteller tätig, sondern als Generalunternehmer für große Solarprojekte im Ausland. Nahezu in allen Ländern sind solche Projekte auch von staatlicher Förderung abhängig und fielen nicht selten den Sparmaßnahmen infolge der Finanzkrise zum Opfer.

Ähnlich sieht es für Siemens bei der Solarthermie aus. Auch hier war Siemens nicht als Hersteller von Kleinanlagen im Privatkundengeschäft tätig, sondern konzentrierte sich auf große Solarkraftwerke. Auch solche Großprojekte liegen derzeit vielfach auf Eis, der globale Markt für solarthermische Kraftwerke ist von vier Gigawatt pro Jahr auf ein Gigawatt eingebrochen. Insgesamt konnten die beiden Solarbereiche bei Siemens zuletzt nur einen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro vorweisen, weswegen der gesamte Geschäftsbereich nun aufgegeben wird.

Schließung oder Verkauf

Insgesamt sind bei Siemens knapp 700 Beschäftigte in diesen Bereichen tätig, 200 davon in Deutschland. Das Schicksal dieser Arbeitsplätze ist unklar. Ein Verkauf der Bereiche wird angestrebt, dürfte aber schwer zu realisieren sein. Experten vermuten, dass sich allenfalls für die Photovoltaik Interessenten in Asien finden lassen könnten. Die Aussichten für die Beschäftigten sind also eher pessimistische einzuschätzen, eine Schließung der Geschäftsbereiche scheint nicht unwahrscheinlich zu sein.

Druck der Aktionäre

Den Großaktionären des Konzerns war der kurze Ausflug in die Solarenergie von Anfang an ein Dorn im Auge. Erst im Jahr 2009 wurde Solel, ein israelisches Unternehmen mit Spezialisierung auf die Solarthermie, für mehr als 400 Millionen Dollar gekauft. Rund die Hälfte des Kaufpreises wurde schon als Verlust abgeschrieben, was auf der Aktionärshauptversammlung im Januar bereits stark kritisiert wurde. Die Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank übte deutliche Kritik am Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher, was offenbar nicht ohne Wirkung blieb.

Windenergie als Zukunftsmarkt?

Gerade jetzt, da Siemens seine Aktivitäten im Bereich der regenerativen Energien auf die Wasser- und Windenergie – speziell offshore Windparks – konzentrieren will, stehen auch da Schwierigkeiten ins Haus. Die Geschichte klingt zu abstrus, um wahr zu sein: Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Betreibern von offshore Windparks 90 Prozent der entgangenen Einnahmen ersetzt werden, wenn der Netzanschluss zu spät erfolgt. Maßgeblich ist der vom Netzbetreiber zugesagte Zeitpunkt des Anschlusses, was den Netzbetreiber Tennet dazu veranlasst, für einen bereits geplanten Windpark bei Borkum einfach keinen Termin zuzusagen. Schlecht für Siemens, denn die 98 Windräder mit einer Leistung von rund 350 Megawatt sollten eigentlich sie bauen. Nun liegt auch dieses Projekt auf Eis.