Q-Cells wird voraussichtlich von Hanwha übernommen

Für den insolventen Photovoltaik Konzern Q-Cells besteht eine realistische Aussicht auf Rettung. Gemeldet wird, dass der Insolvenzverwalter mit dem koreanischen Konzern Hanwha bereits einen Kaufvertrag abgeschlossen habe, der nur noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gläubiger stehe. Die Aussichten sind nicht schlecht, denn Hanwha hat angekündigt, die Verbindlichkeiten von Q-Cells teilweise zu übernehmen. Zusätzlich wird ein Barkaufpreis geboten, der offiziell mit „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“ angegeben wird. Offiziell noch nicht bestätigt ist hingegen die von einigen Quellen genannte Summe im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Allerdings hat mit dem spanischen Modulhersteller Isofoton ein zweiter potenzieller Käufer Interesse angemeldet. Die Gläubigerversammlung, die am 29. August stattfinden wird, hat somit sogar die Wahl zwischen zwei Offerten.

Details bleiben noch unklar

Unklar ist noch, welche Verbindlichkeiten von Q-Cells Hanwha genau übernehmen wird. Sicher scheint zu sein, dass die Schulden des Tochterunternehmens in Malaysia vollständig übernommen werden, ansonsten ist lediglich von „betriebsbezogenen Verbindlichkeiten“ die Rede. Zumindest ist klar, was nicht darunter fällt: Die Besitzer der von Q-Cells ausgegebenen Wandelanleihen werden leer ausgehen. Gleiches gilt für die Aktionäre, die ebenfalls nicht entschädigt werden sollen. Dass die Aktie als Reaktion auf die aktuellen Meldungen kurzzeitig einen Rekordgewinn von 29 Prozent verzeichnete, wird die Aktionäre kaum trösten. Mit rund 22 Cent ist der Kurs damit zwar der höchste seit der Insolvenz, aber wer vor drei Jahren eingestiegen ist, hat etwa zehn Euro pro Aktie bezahlt. Den Standort in Bitterfeld würde Hanwha erhalten, allerdings mit reduziertem Personal. Etwa ein Viertel der mehr als 1.500 Beschäftigten, die allein am Hauptsitz des Unternehmens tätig sind, werden voraussichtlich ihre Arbeitsplätze verlieren, wenn Hanwha den Zuschlag erhält. Insgesamt beschäftigt Q-Cells etwa 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der spanische Bieter Isofoton plant eigenen Angaben zufolge den Aufbau eines europaweiten Photovoltaik Konzerns und will alle Standorte und Mitarbeiter übernehmen. Über die finanziellen Details dieses Angebots ist noch nichts bekannt. Mitgeteilt wurde lediglich, dass ein namentlich nicht genannter amerikanischer Fonds an der Finanzierung der geplanten Übernahme beteiligt sei.

Die Branche hofft

Der Unternehmensverbund „Solar Valley Mitteldeutschland“ knüpft große Hoffnungen an die voraussichtliche Rettung von Q-Cells. Möglicherweise zu große. Man hoffe, dass nicht nur der Forschungsstandort in Deutschland langfristig erhalten bleibe, sondern auch die Produktion. Ob insbesondere Hanwha daran wirklich interessiert ist, ist mehr als fraglich. Wirklich überzeugen kann das Argument nicht, mit dem Hanwah eine Produktion in Deutschland schmackhaft gemacht werden soll: Die Verlagerung der Produktion ins Ausland sei nicht sinnvoll, weil den Forschern und Entwicklern in Deutschland dann die Rückkopplung fehle. Sollte das wirklich das einzige Argument sein, wird Hanwha sicherlich Lösungen für dieses Problem finden können.