Neuer Anlauf bei Changers

Das Berliner Startup Unternehmen Changers unternimmt nach der Insolvenz zu Jahresbeginn einen zweiten Versuch, am Markt Fuß zu fassen. Das Unternehmen bietet Mini-Solarmodule an, die zum Aufladen von Smartphones gedacht sind. Von den ursprünglich 25 Belegschaftsmitgliedern sind beim Neustart noch sechs dabei, die dieses Unterfangen aus privaten Mitteln finanzieren. Die Neugründer können mit Recht darauf verweisen, dass das Scheitern im ersten Versuch eher unglücklichen äußeren Umständen geschuldet war. Am Hauptinvestor Centrotherm, einem Unternehmen aus der Solarbranche, ist die Krise der Branche nicht spurlos vorüber gegangen. Das Unternehmen stellte sein Engagement bei Changers daraufhin ein. Das Geschäftsmodell ist also nicht gescheitert – aber es birgt Risiken. Denn Changers bietet seinen Kunden nicht mehr und nicht weniger als die Illusion, aktiv etwas für die Umwelt zu tun.

Photovoltaik als Lifestyle Produkt?

An der Frage, ob das funktionieren kann, wird sich die Zukunft von Changers entscheiden. Von der ansonsten für Solarmodule vorzunehmenden Kosten-Nutzen-Rechnung wollen die Gründer daher auch am liebsten nichts hören. Ersparen kann man sie ihnen dennoch nicht: Das Solarmodul soll 119 Euro kosten, dafür produziert es unter optimalen Bedingungen 4 Wattstunden Strom pro Stunde, also 0,004 Kilowattstunden. Wird ein Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde zugrunde gelegt, ergibt sich eine Stromkostenersparnis von 0,12 Cent pro Stunde, während der das Solarmodul in der prallen Sonne liegt. Auch seriöse Umweltschutzargumente kann das Unternehmen kaum ins Feld führen, dafür ist der Gesamteffekt zu gering. Als einzig halbwegs praxisrelevantes Argument verbleibt also, dass Dauernutzer ihr Smartphone unterwegs nachladen können und somit die Reichweite einer Akkuladung verlängern können.

Kundenbindung mit Bonusprogrammen

Ohne zusätzliche Marketingmaßnahmen wäre Changers also auf einen Kundenkreis beschränkt, der bereit ist, es sich etwas kosten zu lassen, Umweltbewusstsein demonstrativ zur Schau zu stellen – und sich dabei von rationalen Argumenten nicht beirren lässt. Um einen größeren Kundenkreis zu erreichen, setzt das Unternehmen auf sein Webportal. Dort können Kunden ihren erzeugten Solarstrom melden und bekommen dafür Credits gutgeschrieben. Wirklich funktionieren kann das, wenn diese Credits anschließend in etwas Brauchbares eingetauscht werden können. Dabei setzt das Unternehmen auf Sponsoren, die entsprechende Prämien ausloben, um so ihr Ökoimage aufzupolieren. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten. Ausgeschlossen ist das nicht, warum sollten Biertrinker schließlich nicht statt des Regenwaldes gleich die gesamte Welt retten?