Hanergy übernimmt Solibro

Die Übernahmewelle deutscher Photovoltaik Hersteller durch asiatische Konkurrenten rollt weiter. Nur wenige Wochen nach der Übernahme von Q-Cells durch den südkoreanischen Konzern Hanwah wurde nun der Kauf von Solibro durch den chinesischen Energiekonzern Hanergy offiziell bestätigt. Die befürchtete Pleitewelle am Solarstandort Bitterfeld konnte damit vermieden werden, für die Arbeitnehmer von Solibro zeichnet sich ein gutes Ende der Krise ab. Hanergy hat angekündigt, alle 400 Arbeitsplätze zu erhalten. Davon befinden sich 370 am Standort Bitterfeld, 30 in Schweden.

Modernste Dünnschichttechnologie

Solibro ist ein innovativer Anbieter von Dünnschichtmodulen und allein schon aus diesem Grund für Hanergy interessant. Chinesische Anbieter setzen bislang auf klassische Solarmodule aus kristallinem Silizium. Diese weisen einen höheren Wirkungsgrad auf, allerdings auch deutlich höhere Produktionskosten. Genau hier lag das Problem von Solibro. Die produzierten Stückzahlen waren zu niedrig, um die Kostenvorteile der Dünnschichttechnologie zur Geltung zu bringen. Hanergy will das ändern und verfügt auch über die dazu notwendigen finanziellen Mittel. Die Produktion soll auf 100 Megawatt jährlich ausgebaut werden, um den gesamten europäischen Markt beliefern zu können. Dass Hanergy auch die Produktion am Standort Bitterfeld-Wolfen weiterführen wird, könnte durchaus an fehlender Erfahrung mit der Produktion von Dünnschichtmodulen in China liegen. Ob die Arbeitsplätze in Deutschland auch dann noch erhalten bleiben, wenn Hanergy das notwendige Know-how für die Verlagerung der Produktion an Niedriglohnstandorte erworben hat, bleibt abzuwarten.

Ausverkauf der Solarbranche

Solibro war ein Tochterunternehmen des einstigen Photovoltaik-Riesen Q-Cells (Webseite), der kürzlich von dem südkoreanischen Mischkonzern Hanwah übernommen wurde. Wohin der Weg führt, war an dieser Übernahme klar erkennbar. Etwa 200 der rund 1250 Arbeitsplätze am Hauptsitz des Unternehmens werden der Übernahme zum Opfer fallen – aber zumindest sind das rund 50 Arbeitsplätze weniger, als zuvor angekündigt worden war. Vollständig erhalten bleiben hingegen die rund 500 Arbeitsplätze am Niedriglohnstandort Malaysia. Die Übernahme von Q-Cells wurde auch deshalb als Signal für die gesamte deutsche Photovoltaik Branche gewertet, weil Q-Cells einst der größte Modulhersteller der Welt war.

Aktionäre gehen leer aus

Auch der jetzige Verkauf der Q-Cells Tochter Solibro ändert nichts daran, dass die Aktionäre und die Besitzer von Unternehmensanleihen leer ausgehen, der Handel der Aktien wird eingestellt. Zu den höchst merkwürdigen Meldungen gehört, dass die amerikanische Bank Goldmann Sachs ausgerechnet jetzt ihre Beteiligung an Q-Cells erhöht, und zwar von 4,6 auf 5,5 Prozent. Das hat allerdings weniger als 100.000 Euro gekostet, dürfte in den Bilanzen von Goldmann Sachs also irgendwo in den fernen Nachkommastellen untergehen. Wer dieses Manöver nicht versteht, mag sich trösten: Auch professionelle Börsenberichterstatter können sich darauf keinen Reim machen, da es sich nur noch um eine wertlose Aktienhülle handelt. Ob da wohl ein automatisches Handelsprogramm zugeschlagen hat, dessen Transaktion wegen des geringen Betrags nicht kontrolliert wurde?

Bildnachweis: Q-Cells