Eon setzt in Zukunft auf erneuerbare Energien

Der Energiekonzern Eon hat einen radikalen Kurwechsel beschlossen. Das gesamte Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung wird in ein neu zu gründendes Unternehmen ausgelagert, das sämtliche Atom-, Gas-, und Kohlekraftwerke des Konzerns übernehmen wird. Rund ein Drittel der insgesamt 60.000 Beschäftigten wird in diese neue Gesellschaft wechseln, deren Name noch nicht feststeht. Eon selbst will sich künftig auf die Kernthemen der Energiewende konzentrieren. Dazu gehören neben den erneuerbaren Energien und den intelligenten Stromnetzen auch Lösungen für die dezentrale Stromerzeugung beim Kunden. Eon ist damit der erste der vier großen Stromkonzerne, der den Widerstand gegen die Energiewende offiziell für beendet erklärt.

Aufspaltung oder Entsorgung?

Offiziell spricht Konzernchef Teyssen von einer Aufspaltung in zwei Unternehmen, die beide in ihrem jeweiligen Markt gute Zukunftsaussichten haben. Es sei, so Teyssen, gegenwärtig nicht einmal absehbar, welche der beiden Gesellschaften die erfolgreichere sein werde. Kritiker mutmaßen dagegen, dass es eher darum gehe, den Konzern von verlustträchtigen Altlasten zu befreien. Insbesondere der Rückbau der Kernkraftwerke und die Entsorgung des radioaktiven Abfalls werden hohe Kosten verursachen. Eon hat zu diesem Zweck Rücklagen von 14,5 Milliarden Euro gebildet, die an die neue Gesellschaft übertragen werden sollen. Die tatsächlichen Kosten werden aber höher sein, womit sich der Frage stellt, wer den Rest bezahlt. Der Vergleich mit den „Bad Banks“, in die Banken nach der Finanzkrise ihre faulen Kredite und Schrottpapiere auslagerten, drängt sich tatsächlich auf.

Was bedeutet das für die Energiewende?

Wie sieht der Strommarkt der Zukunft für Befürworter der Energiewende im Idealfall aus? Etwa so: Der Strom wird dezentral von zahlreichen kleinen Erzeugern produziert. Diese werden großräumig durch intelligente Netze zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet. Das massive Auftreten eines Großkonzerns wie Eon auf diesem Markt wird weitreichende Folgen haben. Positiv wird sich sicher auswirken, dass Eon auch die intelligenten Stromnetze zum Kerngeschäft erklärt hat. Die zahlreichen kleinen Versorger zu einem grundlastfähigen virtuelle Kraftwerk zusammenzuschalten ist eine Aufgabe, die diese selbst nicht übernehmen können. Fraglich ist allerdings, wie viele dieser kleinen Stromerzeuger es zukünftig noch geben wird. Wenn die Förderung auf ein Ausschreibungsmodell umgestellt wird, werden Energiegenossenschaften und andere private Initiativen kaum noch eine Ausschreibung gewinnen können. Hinzu kommt, dass aufgrund des Skaleneffekts die Stromerzeugung in Großanlagen fast immer günstiger ist, als die Erzeugung in dezentralen kleinen Anlagen. Ein erheblicher Teil der staatlichen Förderung wird damit vermutlich in Offshore-Windparks und große Solarkraftwerke fließen, die nur ein Großkonzern stemmen kann. Es gefällt nicht jedem, dass auch der neue Strommarkt damit monopolistische Züge annehmen wird. Aber was haben diejenigen erwartet, die den Stromkonzernen seit Jahren vorwerfen, die Energiewende verschlafen zu haben? Dass sie aufwachen und Anteile an der Solaranlage auf dem Dach des Rathauses in Lüdenscheid übernehmen?

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