Kostendruck erhöht Risiken für Qualität von Solaranlagen

In seinem aktuellen Qualitätsbericht über Photovoltaikanlagen weist der TÜV Rheinland darauf hin, dass der hohe Kostendruck auch bei Solarmodulen zu Qualitätseinbußen führt. Sowohl im Produktionsprozess als auch bei der Montage kommt es häufiger zu Fehlern. Teilweise sind diese darauf zurückzuführen, dass die Hersteller sich gezwungen sehen, Innovationen frühzeitig auf den Markt zu bringen und auf ausgiebige Testreihen zu verzichten. Dies ist kein unbekanntes Phänomen, es betrifft auch andere Produkte, die unter hohem Konkurrenzdruck in Massenproduktion gefertigt werden. In der Autobranche ist die Zahl der Rückrufaktionen in den letzten Jahren beispielsweise so stark angestiegen, dass Kritiker schon von einer „Endkontrolle beim Kunden“ sprechen.

Fehler bei der Installation

In etwa der Hälfte der Fälle sind festgestellte Mängel an Photovoltaikanlagen auf Fehler bei der Installation zurückzuführen. Häufige Ursachen sind eine falsche Verkabelung oder eine Beschädigung der Photovoltaik Module während der Installation. Bei immerhin 18 Prozent der festgestellten Fehler handelt es sich Planungsfehler. Dieser relativ hohe Anteil fehlerhaft geplanter Anlagen weist auf einen hohen Kosten- und Zeitdruck während des Planungsprozesses hin.

Probleme in der Serienfertigung

Hersteller sind heute sehr wohl in der Lage, qualitativ hochwertige Module zu produzieren. Das belegen die Ergebnisse der Prüfungen, die der TÜV Rheinland seit Jahren im Rahmen der IEC-Bauartzertifizierung vornimmt. Dabei werden einzelne vom Hersteller zur Verfügung gestellte Exemplare jedes Modells getestet. Noch vor zehn Jahren fiel mehr als die Hälfte der Module bei diesem Test durch, 2012 waren es nur noch zehn Prozent. Aber die Hersteller sind nach Aussage des TÜV nur eingeschränkt dazu in der Lage, die hohe Qualität dieser Einzelstücke auch in der Serienfertigung zu garantieren. An diesem Problem wird beispielhaft der Zusammenhang zwischen Kostendruck und Qualitätsproblemen deutlich. Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der Module, die beim so genannten Temperaturzyklentest durchfallen. Bei diesem Test durchlaufen die Module in einer Klimakammer Temperaturzyklen von -40 bis +85 Grad. Als kritischer Punkt haben sich dabei die Lötstellen der Module erwiesen. Die Zahl der fehlerhaften Lötstellen stieg rapide an, als der ursprünglich manuelle Lötvorgang automatisiert wurde.

Empfehlungen des TÜV Rheinland

Der ausführliche Testbericht findet sich beim TÜV auf der Homepage. Im Kern spricht der TÜV dabei zwei Empfehlungen aus. Hersteller sollten ihre Module nicht nur im Rahmen der IEC-Bauartzertifizierung testen lassen, sondern auch regelmäßig Exemplare aus der Massenfertigung einer externen Überprüfung unterziehen. Anlagenbetreiber sollten die gesamte Anlage vor der Inbetriebnahme einer Abschlussprüfung unterziehen lassen. Und der TÜV hat selbstverständlich auch ganz genaue Vorstellungen darüber, wer diese Prüfungen vornehmen sollte.

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