Röttgen: Werksschließung aufgrund weltweiter Überkapazitäten

Der von den östlichen Bundesländern mit zahlreichen dort ansässigen Photovoltaik Unternehmen befürchtete Kahlschlag innerhalb der Branche schreitet mit hohem Tempo voran. Kurz nachdem der ehemalige Branchenführer Q-Cells Insolvenz anmelden musste, kündigt nun das amerikanische Unternehmen First Solar die Schließung seiner Werke in Brandenburg an. Kerngeschäft von First Solar sind Solarmodule für größere Anlagen auf Freiflächen. Als einen Grund für die Werksschließungen führt das Unternehmen die unlängst vom Bundestag beschlossenen Kürzungen der Förderung solcher Anlagen an.

Auch DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen machen sich diese Kritik zu eigen, sogar von einer Deindustrialisierungspolitik der Bundesregierung ist die Rede. Dem widerspricht Umweltminister Röttgen in einer von seinem Ministerium veröffentlichen Pressemitteilung.

Röttgen: Werksschließung aufgrund weltweiter Überkapazitäten

Der Minister weist in seiner Erklärung erneut auf die viel zu großen Produktionskapazitäten im Bereich Photovoltaik hin. Der weltweiten Nachfrage von rund 27 Gigawatt habe im Jahr 2011 eine Produktionskapazität von 70 Gigawatt gegenüber gestanden. Dies führe dazu, dass gegenwärtig selbst chinesische Hersteller rote Zahlen schreiben, trotz der deutlich niedrigeren Produktionskosten. Eine Anpassung der Produktionskapazitäten sei daher unvermeidlich und durch das deutsche EEG nicht aufzuhalten. Eine zu hohe Förderung könne sich sogar als kontraproduktiv erweisen, da sie dazu führe, dass die weltweiten Überkapazitäten auf den deutschen Markt drängen.

Bedrohliche Situation

In der Tat ist der Rückzug von First Solar eine für die Branche katastrophale Meldung. Die Werke von First Solar sind modern ausgestattet, das Unternehmen gilt als das wettbewerbsfähigste in seinem Marktsegment. Ganz falsch liegt Axel Vogel, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im brandenburgischen Landtag, also nicht mit seiner Feststellung, dass niemand mehr eine Chance habe, wenn selbst First Solar aufgeben müsse. Auch Matthias Platzeck, der Ministerpräsident des Landes, scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Zwar spricht er noch pflichtgemäß davon, bei der Investorensuche für die „exzellente, nagelneue Fabrik“ behilflich sein zu wollen. Gleichzeitig gibt er aber bekannt, dass sich First Solar an einer Transfergesellschaft für die rund 1200 entlassenen Beschäftigten beteiligen werde. Optimismus klingt anders. Nachvollziehbar sind die Anzeichen von Resignation allerdings durchaus. Schließlich wurde nahezu zeitgleich mit der Verkündung der Schließungspläne von First Solar bekannt, dass die Investorensuche für den ebenfalls insolventen Hersteller Odersun gescheitert ist. Im Januar sprang die brandenburgische Landesregierung mit einem Notkredit ein, als Odersun die Gehälter der 260 Mitarbeiter nicht mehr auszahlen konnte. Im Februar folgte dennoch die Insolvenz und das Land musste seinen Kredit weitgehend abschreiben.

Bildnachweis: BMU, Laurence Chaperon

Neuen Kommentar schreiben