Weiterhin hoher Photovoltaik Zubau in 2012

Trotz der Kürzungen der Photovoltaik Förderung war im ersten Halbjahr 2012 erneut ein hoher Zubau zu verzeichnen – oder vielleicht auch gerade wegen diese Kürzungen. Der Vorzieheffekt vor anstehenden Kürzungsschritten ist ein seit Jahren bekanntes Phänomen. Da die ursprünglich kurzfristig angekündigten Kürzungen durch längere Übergangsfristen entschärft wurden, blieb Anlegern genügend Zeit, Projekte noch rechtzeitig fertigzustellen. So kam es in der ersten Jahreshälfte zu einem Zubau von nahezu 4,4 Gigawatt, der sich stark auf die Monate März und Juni konzentrierte. Möglicherweise steht im Laufe des Jahres noch eine weitere Schlussrallye bevor. Im September läuft die Übergangsfrist für Anlagen auf Konversionsflächen aus.

Großanlagen dominieren

Das klassische Privatkundensegment mit Anlagen von bis zu zehn Kilowatt verliert an Bedeutung. Schwankte der Marktanteil dieses Segments in den vergangenen Jahren um zehn Prozent, so ist er 2012 bisher auf unter sieben Prozent gefallen. Auch dafür ist ein Vorzieheffekt verantwortlich. Für große Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als zehn Megawatt entfällt künftig die Förderung. Dabei werden mehrere Anlagen auf Freiflächen im Sinne der Förderung zu einer Anlage zusammengefasst, wenn sie innerhalb von zwei Jahren in derselben Gemeinde gebaut werden oder weniger als vier Kilometer voneinander entfernt sind. Das führte zu einem Anstieg des Zubaus in diesem Segment. Genau den wollte die Politik eigentlich verhindern, nicht zuletzt aus Sorge um die Stabilität des Stromnetzes. Die schwankende Leistung einer Photovoltaik Anlage erweist sich in dieser Hinsicht bei Großanlagen als besonders problematisch. Erneut werden zwei scheinbar unlösbare Probleme der Energiepolitik deutlich. Erstens scheitert der Versuch einer Zubausteuerung durch eine Kürzung der Förderung regelmäßig, weil bereits die Ankündigung einen Boom auslöst. Zweitens sind nicht immer die kosteneffizientesten Lösungen auch die besten. Die Stromerzeugungskosten sind für Großanlagen deutlich niedriger als für Dachanlagen.

Ärger ist vorprogrammiert

Im Oktober wird die neue Höhe der EEG-Umlage veröffentlicht. Es ist absehbar, dass dabei das Ziel verfehlt werden wird, die Umlage auf jetziger Höhe zu stabilisieren. Damit wird die gerade erst erzielte Einigung im Streit um die Photovoltaik Förderung erneut zur Diskussion gestellt werden. Möglicherweise steht eine Abkehr vom Prinzip der gleichen Förderung für alle Anlagen bevor. Die Förderhöhe könnte davon abhängig gemacht werden, wie gut Anlagen sich in die bestehende Infrastruktur integrieren. Großanlagen könnten dort entstehen, wo leistungsfähige Stromtrassen bereits vorhanden sind. Mittelgroße Anlagen könnten privilegiert werden, wenn sie in lokale Stromnetze eingebunden sind und über Stromspeicher verfügen, die in ihrer Leistungsfähigkeit dem Bedarf solcher Ortsnetze entsprechen. Auf diese Weise können die Leistungsschwankungen nach außen abgeschirmt werden.