Studie: Photovoltaik ist billiger als Atomkraft

Das Berliner Institut „Agora Energiewende“ hat eine aktuelle Studie vorgestellt, in der die Stromerzeugungskosten von Atomkraftwerken mit denen der Photovoltaik und der Windenergie verglichen werden. Schon der Name des Instituts lässt keine Zweifel daran aufkommen, wie dieser Kostenvergleich wohl ausgefallen sein mag. Photovoltaik und Windenergie sind demnach um rund 50 Prozent günstiger als Atomenergie. Dass das Ergebnis der Studie wie üblich wunschgemäß ausgefallen ist, ändert aber nichts daran, dass es überzeugend begründet wurde.

Schwierig war das allerdings nicht, denn in England hat man für ein neues Atomkraftwerk das Vergütungsmodell der garantierten Einspeisevergütung übernommen, das bislang ausschließlich für regenerative Energien Anwendung fand. Damit können die Kosten direkt miteinander verglichen werden. Aus Sicht der Befürworter der Kernenergie was es sicherlich keine gute Idee, ein weithin lesbares Preisschild auf den Atomstrom zu kleben, denn der Preisvergleich mit anderen Technologien fällt verheerend aus. Im Sinne der Transparenz war dies jedoch eine gute Entscheidung. In Deutschland wird der Kostenvergleich zwischen Atomstrom und erneuerbaren Energien noch immer dadurch erschwert, dass die Kosten der Kernenergie an zahlreichen Stellen in den öffentlichen Haushalten versteckt werden. Jede neue Stromleitung für die Energiewende taucht auf der monatlichen Stromrechnung in der EEG-Umlage auf, die aufwändige Suche nach einem Endlager für Atommüll taucht auf keiner Rechnung explizit auf.

35 Cent pro Kilowattstunde

In Somerset (GB) wird ein neues Atomkraftwerk errichtet, für das der Betreiber mit der britischen Regierung folgende Vergütungsvereinbarung getroffen hat: Die Einspeisevergütung pro Kilowattstunde beträgt rund 11,1 Eurocent, gemessen am aktuellen Geldwert. Es erfolgt eine jährliche Anpassung der Vergütung gemäß der Inflationsrate. Garantiert wird diese dynamische Einspeisevergütung für 35 Jahre. Schon der heutige Wert von 11,1 Cent liegt oberhalb der Vergütung für Ökostrom, die lange Laufzeit und der jährliche Inflationsausgleich lassen diese Differenz noch deutlich anwachsen. Umgerechnet auf eine fixe 20-jährige Einspeisevergütung entspricht diese Vereinbarung einer Vergütung von fast 35 Cent pro Kilowattstunde. Dabei wurde eine jährliche Inflation von zwei Prozent angenommen. Das entspricht in etwa dem, was für erste Photovoltaikanlagen gezahlt wurde, um die damals noch neuen Technik überhaupt in den Markt einzuführen.

Wie sieht es mit der Grundlastfähigkeit aus?

Dass Sonne und Wind unschlagbar billig sind, solange die Sonne scheint und der Wind weht, ist auch ohne wissenschaftliche Studien offensichtlich. Der neuralgische Punkt jedes Kostenvergleichs mit anderen Techniken liegt in den zusätzlichen Kosten, die für die Sicherstellung einer ständigen Versorgung anfallen, die auch nachts und bei ungünstigen Wetterverhältnissen funktioniert. In der Studie von Agora Energiewende geschieht dies durch Gaskraftwerke, die als Stromreserve vorgehalten werden. Selbst unter Berücksichtigung dieser erforderlichen Reservekapazitäten ist die Kombination aus Photovoltaik und Windstrom noch um rund 20 Prozent günstiger als Atomstrom.

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