Strompreise an der Börse fallen zwischenzeitlich unter vier Cent

Der Börsenpreis für Strom für Großabnehmer hat erstmals die Marke von vier Cent pro Kilowattstunde nach unten durchbrochen. Kontrakte über zukünftige Lieferungen von Grundlaststrom in den Jahren 2015 und 2016 waren am 11.04.2013 für 3,99 Cent zu haben. Diese Preisentwicklung ist eine Folge des wachsenden Angebots an Strom. Neben dem Ausbau der regenerativen Energien trägt dazu auch der parallele Zubau neuer Kohlekraftwerke bei.

Verbraucherpreise werden nicht sinken

Strom ist ein besonderes Handelsgut, das sich teilweise üblichen Marktgesetzen entzieht. Das liegt daran, dass Strom in dem Moment verbraucht werden muss, wenn er erzeugt wird – oder umgekehrt eben in dem Moment produziert werden muss, wenn er benötigt wird. Solar- und Windstrom können das nicht immer garantieren, weswegen Deutschland derzeit sowohl viel Strom exportiert als auch importiert. In der Summe ergab sich 2012 ein Exportüberschuss von fast 23 Terawattstunden, mit dem ein Handelsüberschuss von etwa 1,4 Milliarden Euro erzielt wurde. An der Strombörse führt dieses Überangebot zu sinkenden Preisen, die zu Spitzenzeiten sogar negativ werden. Allein im Jahr 2013 stellte die Europäische Strombörse EPEX bereits an 15 Tagen negative Strompreise fest, die Produzenten mussten also dafür bezahlen, ihren Strom in die Netze der Nachbarländer einspeisen zu dürfen. Dies geschah beispielsweise am 24.03.2013. Das Kernproblem war auch hier die Unsicherheit der minutengenauen Leistungsprognosen regenerativer Energien. Für 14:00 Uhr waren 11.9000 Megawatt Leistung aus Solarstrom und 15.900 Megawatt aus Windstrom prognostiziert wurden, tatsächlich erzeugt wurden jedoch 14.100 Megawatt Solarstrom und 16.900 Megawatt Windstrom. Die Differenz musste zu negativen Preisen exportiert werden. Für den Verbraucher bedeutet das Mehrkosten, da er über die EEG-Umlage die Differenz zwischen dem Marktpreis und der Vergütung der Anlagenbetreiber aufbringen muss.

Zu hohe Kapazitäten an fossilen Kraftwerken

Fest steht, dass die Ausbau regenerativer Energien schneller als erwartet vonstatten geht und einige der zahlreichen neu gebauten Kohlekraftwerke eigentlich nicht benötigt würden. Ob diese Überkapazitäten tatsächlich auf einer Fehlprognose beruhen, wie es beispielsweise das „Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien“ in Münster annimmt, ist indes umstritten. Die eigentliche Idee der Energiewende besteht darin, konventionelle Kraftwerke durch alternative Energien zu ersetzen. Gas- und Kohlekraftwerke sollen nur Strom liefern, wenn regenerative Energien nicht genügend Strom produzieren. Blickt man jedoch auf die Netzausbaupläne, erkennt man eine andere Strategie. Die Nord-Süd-Trassen sind in der Planung so dimensioniert, dass fossile Kraftwerke unter Dauerlast laufen können und zusätzlich der Strom aus den erneuerbaren Energien transportiert werden kann. So manche Leitung, die dem Stromkunden beim Netzausbau als Folge der Energiewende in Rechnung gestellt wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Exportautobahn für die Stromkonzerne.