Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien im Vergleich

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat eine Aktualisierung seiner Studie zu Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien veröffentlicht. Im Vergleich zur Originalstudie aus dem Jahr 2010 wurden nicht nur technologische Fortschritte und die Einflüsse einer preiswerteren Massenproduktion von Komponenten berücksichtigt, sondern auch die geänderten Finanzierungsbedingungen.

Eine reine Kostenkalkulation

Das Fraunhofer-Institut verfolgt den Ansatz, ausschließlich die Kosten für die Stromerzeugung zu ermitteln und die tatsächlichen Strompreise außer Acht zu lassen, die durch zahlreiche staatliche Eingriffe nur ein verzerrtes Bild liefern. Tatsächlich werden beispielsweise die Strompreise an der Leipziger Strombörse in der politischen Diskussion oft zum Kostenvergleich herangezogen, obwohl sie dazu nicht im Geringsten taugen. Was nützt es dem Verbraucher beispielsweise, dass Solarstrom in den Mittagsstunden zu unterdurchschnittlichen Preisen angeboten wird, wenn dem Erzeuger die Differenz zum Durchschnittspreis ohnehin erstattet wird – diese Erstattung finanziert der Verbraucher letztlich auch. Insofern trägt die Studie des Fraunhofer-Instituts zur Versachlichung der Kostendiskussion bei, indem sie sich ausschließlich auf die tatsächlichen Kosten der Stromerzeugung konzentriert.

Die wesentlichen Ergebnisse

Betrachtet wurden in der Studie neben Photovoltaik Anlagen unterschiedlicher Größe auch solarthermische Kraftwerke sowie onshore und offshore Windanlagen. Dabei stellte sich heraus, dass heute lediglich Windkraft Anlagen an Land mit Kosten von rund sieben Cent pro Kilowattstunde im Bereich konventioneller Kraftwerke liegen, andere Technologien verursachen höhere Kosten. Allerdings liegen die Kosten bei sämtlichen Technologien deutlich unter den Strompreisen für Verbraucher. Die Stromerzeugung mittels kleiner Photovoltaik Anlagen verursacht durchschnittlich Kosten von knapp 15 Cent pro Kilowattstunde, große Freiflächenanlagen sind um etwa einen Cent preiswerter.

Die besten Standorte sind nicht die günstigsten

Am Beispiel Windenergie tritt dies besonders deutlich zutage. Die Gestehungskosten an Land sind um rund 50 Prozent niedriger als auf See, obwohl die klimatischen Bedingungen an Land weniger günstig sind. Die Gründe dafür sind neben den höheren Installationskosten für offshore Anlagen auch die Risikoaufschläge bei den Versicherungen und den Finanzierungen. Beim Vergleich verschiedener geographischer Standorte für Photovoltaik Anlagen zeigt sich Vergleichbares. Zwar werden hier die Verhältnisse nicht umgekehrt, aber klimatisch optimale Standorte in Südeuropa büßen wegen deutlich höherer Finanzierungskosten einen erheblichen Teil dieses Vorteils ein.

Die langfristigen Aussichten sind günstig

Die Prognosen bis zum Jahr 2030 sagen ständig sinkende Kosten für regenerative Energien voraus. Das überrascht nicht, langfristig muss sich die Unabhängigkeit von teuren fossilen Rohstoffen positiv auswirken. Angesichts der starken Gewichtung, die das Fraunhofer-Institut betriebswirtschaftlichen Faktoren wie Finanzierungskosten beimisst, erfordert jedoch beispielsweise eine Prognose für Spanien bis 2030 einigen Mut. So mancher wäre beruhigt zu wissen, dass spanische Banken in zwei Wochen überhaupt noch irgendetwas finanzieren können. Dieses Problems sind sich die Autoren der Studie jedoch bewusst, sie sprechen daher von lernkurvenbasierten Vorhersagen, die ausschließlich zu erwartende technologische Fortschritte berücksichtigen.

Grafik: © Fraunhofer ISE