Rekord bei der Einspeisung von Solarstrom und Windkraft

Am 18. April erreichte die Stromerzeugung aus Solar- und Windkraftanlagen in Deutschland kurzzeitig einen neuen Rekordwert. Um 12:00 Uhr betrug die Gesamtleistung beider Energieformen 35,9 Gigawatt, wozu Wind und Sonne jeweils ungefähr die Hälfte beitrugen. Der gesamte Strombedarf lag bei knapp 70 Gigawatt, Solar- und Windstrom deckten damit den Strombedarf erstmals zu mehr als 50 Prozent.

Pfingsten sind 100 Prozent Strom aus regenerativen Energien möglich

Die Wetterbedingungen am 18. April waren gut, aber nicht optimal. Bei idealen Wetterbedingungen ist eine noch höhere Stromproduktion möglich. Zusammen mit der deutlich heruntergefahrenen Produktion der energieintensiven Betriebe an Feiertagen könnte das Pfingsten dazu führen, dass die gesamte Stromproduktion aus regenerativen Energien in Deutschland erstmals den Strombedarf übersteigen wird. Vor Ostern wurde darüber ebenfalls bereits spekuliert, hier machte allerdings das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung. Ob zu Pfingsten eine vollständige Stromversorgung aus regenerativen Quellen für einige Stunden gelingt, ist aus praktischer Sicht nicht wichtig. Die Wirkung eines solchen Erfolgs der Energiewende wäre eher eine symbolische.

Wirklich eine gute Nachricht?

Ob die hohen Spitzenwerte von Wind- und Sonnenstrom wirklich eine gute Nachricht sind, ist allerdings umstritten. Nachts und bei ungünstigen Wetterbedingungen bricht die Stromerzeugung dramatisch ein. Hohe Spitzenwerte bedeuten also zugleich auch hohe Schwankungen, die irgendwie ausgeglichen werden müssen. Ursprünglich bestand die Hoffnung, dass Wind und Sonne sich zumindest teilweise wechselseitig kompensieren könnten, da sie bei unterschiedlichen Wetterbedingungen ihr Leistungsmaximum erreichen. In der Praxis scheitert das daran, dass sich Windparks im Norden und Photovoltaikanlagen im Süden konzentrieren. Noch fehlt es an Stromleitungen, um mit starkem Wind auf der Nordsee dunkle Wolken in Bayern auszugleichen.

Flexible konventionelle Kraftwerke

Einstweilen bleibt daher nur, Leistungsschwankungen durch konventionelle Kraftwerke auszugleichen, die schnell hoch- und heruntergefahren werden können. Dazu sind Gaskraftwerke geeignet. Sehr wenig geeignet sind hingegen Braunkohlekraftwerke, die einfach zu lange brauchen, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Zu allem Überfluss sind Braunkohlekraftwerke auch noch besonders umweltschädlich, im Gegenzug allerdings auch besonders kostengünstig. Der Versuch, diese Kostendifferenz durch den Handel mit Emissionsrechten auszugleichen, kann nach einer kürzlich getroffenen Entscheidung des EU-Parlaments wohl als endgültig gescheitert betrachtet werden. Stromkonzerne weisen wiederholt darauf hin, dass sich Gaskraftwerke einfach nicht rechnen, wenn sie permanent zugunsten der Wind- und Sonnenkraft abgeschaltet werden müssen.