Photovoltaik-Zulieferer erwarten in 2012 eine Verschlechterung der Auftragslage

Die Krise der Photovoltaik erfasst die gesamte Wertschöpfungskette. Nun kommen auch von den Zulieferbetrieben der Photovoltaik Hersteller alarmierende Meldungen. In einer aktuellen Befragung, die vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau durchgeführt wurde, geben bereits heute 58 Prozent der Zulieferbetriebe an, aufgrund sinkender Auftragszahlen Kurzarbeit zu nutzen. Sogar 62 Prozent der Unternehmen geben an, einen Personalabbau zu planen. Insgesamt sind etwa einhundert deutsche Zulieferbetriebe im Bereich Photovoltaik aktiv.

Kritische Situation auf dem Weltmarkt

Die Probleme der Solarbranche scheinen dauerhafter Natur zu sein, es handelt sich nicht um einen vorübergehenden konjunkturellen Rückgang. An erster Stelle sind sicherlich die bereits heute bestehenden weltweiten Überkapazitäten an Produktionsanlagen für Photovoltaik Module zu nennen. Investitionen in neue Produktionsanlagen werden vermutlich auf notwendige Modernisierungen beschränkt bleiben, solange dieses Missverhältnis von Angebot und Nachfrage bestehen bleibt. Genau hier liegt das zweite Problem: Selbst der prognostizierte Anstieg der weltweiten Nachfrage wird das Problem nicht beheben, da in den vergangenen Jahren Investitionsentscheidungen auf Basis noch optimistischerer Schätzungen getroffen wurden. Einige Prognosen sehen für das laufende Jahr einen Anstieg der weltweiten Nachfrage auf 52,5 Gigawatt. Ein erheblicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, in dem 37,2 Gigawatt neu installiert wurden. Allerdings werden die Produktionskapazitäten in diesem Jahr auf rund 69 Gigawatt anwachsen. Die ursprünglich noch optimistischeren Wachstumsprognosen mussten angesichts tiefer Einschnitte in die Förderung der Photovoltaik – unter anderem in den wichtigsten Märkten in Deutschland und Italien - nach unten korrigiert werden.

Die Branche wird überleben

Die deutschen mittelständischen Photovoltaik-Zulieferer werden die Krise jedoch nach einem Gesundschrumpfen überstehen können. Davon sind sie auch selbst überzeugt, obwohl sie für 2012 mit einem Umsatzrückgang von 21,5 Prozent rechnen. Damit sind die Zukunftsaussichten zumindest besser als für die Photovoltaik Hersteller selbst. Nicht wenige Experten sehen das Ende der europäischen Produktion und eine vollständige Verlagerung in asiatische Billiglohnländer voraus, primär nach China. Die Zulieferer kündigen an, sich auf innovative Produktionskonzepte zu konzentrieren, um die Produktionskosten für die Photovoltaik Module weiter zu senken. Die Chancen stehen zumindest nicht schlecht, dass sie mit diesem Konzept langfristig ihre Position als wichtigste Zulieferer der asiatischen Hersteller behaupten können. Im Grunde ist es ganz einfach: „Made in Germany“ hat im Maschinen- und Anlagenbau einen deutlich besseren Klang als bei der Herstellung von Photovoltaik Modulen. Einige deutsche Modulhersteller versuchen das gegenwärtig durch eine Imagekampagne zu ändern. Wirklich aufgegangen ist eine solche Strategie nur bei wenigen Unternehmen. Solange ein Stern oder ein angebissener Apfel auf der Photovoltaikanlage keinen Nachbarn neidisch macht, wird das kaum funktionieren. Die Kostenvorteile der chinesischen Anbieter sind dafür zu groß.

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