Photovoltaik Zubau steigt auf 1,8 Gigawatt

Im ersten Quartal 2012 wurden in Deutschland neue Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,8 Gigawatt in Betrieb genommen. Gegenüber dem Vorjahr, in dem im selben Zeitraum 513 Megawatt zugebaut wurden, hat sich das Tempo des Zubaus somit mehr als verdreifacht. Diese jetzt von der Bundesnetzagentur veröffentlichten vorläufigen Zahlen überraschen – wenn überhaupt – nur bezüglich des Ausmaßes des Zuwachses gegenüber dem Vorjahr. Dass neue Rekordwerte erzielt würden, war bereits vermutet worden.

Ein missglücktes Manöver

Zu Beginn des Jahres hatte der damalige Umweltminister Röttgen gemeinsam mit dem Wirtschaftsminister einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Zubau deutlich senken sollte. Der Kerngedanke dieses Plans bestand darin, eine weitere drastische Kürzung der Solarförderung extrem kurzfristig vorzunehmen. In der Vergangenheit haben anstehende Kürzungsschritte stets zu einer Schlussrallye geführt, weil viele Bauherren aufs Tempo drückten, um noch von den alten Fördersätzen zu profitieren. Das sollte dieses Mal vermieden werden, indem die Zeitspanne zwischen Ankündigung und Umsetzung der Kürzung auf nur wenige Wochen verkürzt werden sollte. Die Umsetzung dieses Plans ist dem Umweltminister allerdings ungefähr so gut gelungen wie sein Wahlkampf in NRW. Zunächst sorgte Widerstand in der eigenen Bundestagsfraktion für erhebliche Verzögerungen und einige Nachbesserungen an dem Gesetzesvorhaben, anschließend blockierte der Bundesrat sogar diese nachgebesserte Version des Entwurfs. Dabei stimmten auch Bundesländer mit einer CDU-Regierung gegen Röttgens Vorhaben. Aus Sicht der Befürworter der Kürzungspläne ist damit der größte anzunehmende Unfall eingetreten: Die Ankündigung drastischer Kürzungen steht im Raum, lässt aber allen Interessenten mehr als genügend Zeit, neue Projekte noch vorher zu realisieren. Ein wirksameres Zubau-Beschleunigungskonzept hätte sich selbst der Bundesverband der Solarwirtschaft nicht ausdenken können.

Wie verlässlich sind die Zahlen der Bundesnetzagentur?

Die Diskussion über die Zuverlässigkeit der von der Bundesnetzagentur gemeldeten Zahlen hält unvermindert an. Allein für Dezember 2011 meldete die Agentur einen Zubau von drei Gigawatt, der allerdings von vielen Seiten bezweifelt wird. Die Banken weisen darauf hin, nicht einmal annähernd so viele Projekte finanziert zu haben. Die Installationsbetriebe melden zwar einen Auftragszuwachs im Dezember, aber bei Weitem nicht in dieser Größenordnung. Und die Modulhersteller wundern sich, wo all diese Module plötzlich hergekommen sein sollen. Tatsächlich scheint es sehr einfach zu sein, der Netzagentur frei erfundene Anlagen zu melden. Selbst einfachste Plausibilitätsüberprüfungen unterbleiben, so finden sich in den veröffentlichten Daten beispielsweise Anlagen mit mehr als 8760 jährlichen Betriebsstunden. Einem Schüler im PISA-Test würde hier wohl mangelndes Aufgabenverständnis bescheinigt, sofern er alt genug ist, um 24*365 mit dem Taschenrechner auszurechnen. Bleibt die Frage: Wer sollte erfundene Anlagen melden? Und warum? Wer profitiert in der politischen Diskussion von künstlich aufgeblasenen Zubauzahlen?