BSW-Solar: Bundesregierung wird voraussichtlich Photovoltaik-Zubau Ziel verfehlen

Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW-Solar) geht davon aus, dass in diesem Jahr erstmals die angestrebte Untergrenze von 2,5 Gigawatt beim Zubau der Photovoltaik nicht erreicht werden wird. Schon im Vorjahr war der Zubau um 60 Prozent eingebrochen, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres brach er erneut um 45 Prozent ein. Bis Ende Mai gingen lediglich 818 Megawatt neu ans Netz.

Die Kunden sind verunsichert

Objektiv betrachtet liegen keine Gründe für einen derart massiven Einbruch der Inlandsnachfrage vor. Zwar ist die Förderung der Photovoltaik in den letzten beiden Jahren etwa doppelt so schnell gesunken wie die Preise für Neuanlagen, aber dennoch rechnen sich Photovoltaik Anlagen noch immer. Insbesondere im gewerblichen Bereich, wo oft ein hoher Eigenverbrauch möglich ist und die sinkende Einspeisevergütung eine untergeordnete Rolle spielt, ist die Rentabilität einer Solaranlage nur geringfügig gesunken, zumal zeitgleich die Preise für den extern bezogenen Strom gestiegen sind. Nach Auffassung des BSW-Solar sind insbesondere diese gewerblichen Kunden durch die angekündigte Belastung des Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage verunsichert. Tatsächlich zieht sich diese Diskussion nun schon über Monate hin, ohne bisher zu einer endgültigen Lösung geführt zu haben. Wirtschaftsminister Gabriel wollte den Eigenverbrauch ursprünglich mit 50 Prozent der EEG-Umlage belasten, der Bundesrat will nicht mehr als 20 Prozent akzeptieren. Man wird also weiter nach Kompromissen suchen. In der letzten Legislaturperiode führten die Streitigkeiten zwischen den Ministern Rösler und Röttgen oft zu derartigen langwierigen Hängepartien. Mit der Bündelung der Zuständigkeiten bei Wirtschaftsminister Gabriel sollte das in dieser Regierung verhindert werden – funktioniert hat es offenbar nicht.

Weltweiter Boom der Photovoltaik

Während in Europa die großen Photovoltaik Märkte einbrechen, boomt der globale Markt. Im Jahr 2013 wurden weltweit 38 Gigawatt zugebaut, was einem Zuwachs von 27 Prozent gegenüber 2012 entspricht. Die gesamte installierte Leistung stieg damit auf 138 Gigawatt. Für die nahe Zukunft wird in Afrika, Asien, und Amerika mit einem weiteren Zuwachs gerechnet. Klimapolitisch ist diese Verlagerung des Zubaus zu begrüßen, oft ersetzen Solaranlagen dort völlig veraltete Kohlekraftwerke oder gar Dieselgeneratoren. Die deutschen Hersteller profitieren davon angesichts der billigen Konkurrenz aus Asien kaum. Insofern hat der BSW-Solar zwar Recht mit seiner Feststellung, dass die Photovoltaik im Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar sei. Für die deutsche Solarbranche gilt das allerdings nicht mehr. Auch die Ministerpräsidenten, die gegen die „Sonnensteuer“ votieren, haben dabei ausschließlich die Interessen der Stromerzeuger und –kunden im Blick. Die Solarbranche selbst ist zur Nischenbranche geworden, die vom Schirm der Politik weitgehend verschwunden ist. Von irgendwelchen Sondervergünstigungen für Module aus hiesiger Produktion redet niemand mehr.

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