Brandrisiko bei Photovoltaikanlagen: Fehler bei der Installation

In einer 3,5-jährigen Untersuchung hat der TÜV Rheinland das Brandrisiko durch Photovoltaikanlagen untersucht. Ziel dieser Studie war nicht die Analyse möglicher Unfälle in Laborversuchen, sondern die nachträgliche Analyse von Schadensfällen aus der Praxis.

Insgesamt sind demnach in Deutschland bisher 210 Brände von Photovoltaikanlagen verursacht worden. Verglichen mit anderen Brandursachen ist das eine sehr geringe Zahl, weswegen das Brandrisiko durch Solaranlagen insgesamt als sehr niedrig eingeschätzt werden kann. Das auffälligste Ergebnis der Studie ist die etwas überraschende Erkenntnis, dass die Mehrzahl der Brände durch Anlagen verursacht wurde, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht länger als ein Jahr in Betrieb waren. Material- oder Installationsfehler verursachen also deutlich häufiger Brände als Fehler infolge von Verschleiß.

Keine Auffälligkeiten bei der Schadenshäufigkeit verschiedener Anlagentypen

Aufdachanlagen sind gemäß der Umfrage des TÜV Rheinland für 75 Prozent der Brandfälle verantwortlich. Bei den Modultypen liegen die polykristallinen Module mit 51 Prozent in dieser unerfreulichen Statistik vorn, was allerdings nicht überraschen kann, da diese Variante am weitesten verbreitet ist. Insgesamt deutet die Analyse der Häufigkeit von Brandschäden nicht darauf hin, dass irgendein Typ von Photovoltaikanlagen als besonders gefährdet eingeschätzt werden muss. Die Häufigkeit von Fehlern entspricht grob dem Anteil des jeweiligen Anlagentyps an der Gesamtzahl der Photovoltaikanlagen. Geringe Abweichungen sind angesichts der kleinen Stichprobe statistisch nicht relevant.

Kostendruck erhöht Fehleranfälligkeit

In einer anderen Untersuchung wurde bereits festgestellt, dass die Zahl der Materialfehler durch den Kostendruck schon bei der Herstellung der Module zunimmt. Als problematisch erwies sich beispielsweise, dass Lötstellen in der Serienfertigung nicht immer manuell geprüft werden. Die aktuelle Studie legt nahe, dass auch bei der Installation der erhöhte Kostendruck zu Fehlern führt. In einigen Fällen wurden ungeeignete Kabel verwendet, in anderen Fällen die Kabel nicht korrekt verlegt. Ähnliches gilt auch für die verwendeten Stecker. Ob dies tatsächlich durch übertriebene Sparsamkeit oder schlicht durch Unkenntnis verursacht wurde, war allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung.

Indirekte Schäden durch Photovoltaikanlagen

Wenngleich Photovoltaikanlagen selten Brände verursachen, sind sie doch gelegentlich für Schäden zumindest mitverantwortlich, weil sie Rettungsarbeiten behindern. Gefährlich wird es immer dann, wenn stromführende Komponenten in Kontakt mit Wasser kommen. Hochwasser ist hier ebenso gefährlich wie das im Brandfall eingesetzte Löschwasser. Schalter zur Notabschaltung nützen wenig, wenn die Feuerwehr ihren genauen Standort nicht kennt. In der Praxis fangen die Probleme aber schon erheblich früher an. Oft weiß die Feuerwehr beim Ausrücken nicht einmal, dass überhaupt eine Photovoltaikanlage auf dem Gebäude installiert ist. Gelegentlich kann das nicht einmal am Einsatzort zweifelsfrei festgestellt werden, wenn beispielsweise starker Rauch die Sicht behindert. Ein zentrales Register könnte Abhilfe schaffen, zur Not auch eine einheitliche Kennzeichnung am Hauseingang.

Neuen Kommentar schreiben