USA erreichen als viertes Land 10 GW

Nach Deutschland, Italien und China haben nun auch die USA die Grenze von zehn Gigawatt installierter Leistung bei der Photovoltaik durchbrochen. Nachdem die Photovoltaik jahrelang nur in wenigen Regionen der USA eine wesentliche Rolle spielte, setzte in den vergangenen Jahren ein schnelles Wachstum ein.

Durchschnittlich wuchs die installierte Leistung jährlich um rund 50 Prozent an. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 1,8 Gigawatt neu installiert. Prognosen gehen von einem weiteren raschen Zuwachs aus, bereits Ende nächsten Jahres wird die Leistung vermutlich auf 17 Gigawatt angewachsen sein.

Gründe für den Wachstumsschub

Zunächst ist der rapide Preisverfall zu nennen. Die in den USA besonders wichtigen großen Solarkraftwerke kosten derzeit nur noch drei Dollar pro Watt Leistung, für kleinere Privatanlagen liegen die Kosten knapp über vier Dollar pro Watt. Dabei handelt es sich um die gesamten Systemkosten, die damit deutlich unter denen in Deutschland liegen. Bemerkenswert ist, dass die schon länger wirksamen Strafzölle auf chinesische Billigimporte keinen nennenswerten Einfluss auf diese Preisentwicklung hatten. Ginge es der AFASE (Alliance for Affordable Solar Energy) tatsächlich um das, was ihr Name suggeriert, müsste sie jetzt eigentlich auf die Seite der Befürworter dieser Zölle wechseln. Damit ist allerdings nicht zu rechnen. Zum Wachstum der Photovoltaik haben auch innovative Finanzierungskonzepte beigetragen. Private Anlagen können in zahlreichen Bundesstaaten ohne Eigenkapital errichtet und ausschließlich aus den Erträgen finanziert werden. Teure Großprojekte konnten teilweise günstig über den Kapitalmarkt finanziert werden, weil die ausgegebenen Anleihen als relativ sicher gelten und in einigen Fällen sogar von Ratingagenturen recht gut bewertet wurden.

Zu viel Optimismus?

Ob sich die positiven Prognosen bewahrheiten, steht allerdings noch in Sternen. Die Energiepreise sinken in den USA rapide, seit die Erdgasförderung mittels Fracking deutlich hochgefahren wurde. Neueren Studien zufolge wirkt sich dies sogar auf die Entwicklung der erneuerbaren Energien in der EU aus, weil durch das Überangebot an Gas auch die Kohlepreise sinken und damit die Verstromung von Kohle wirtschaftlich wieder attraktiver wird. Es ist kaum vorstellbar, dass sich in den USA selbst nicht ähnliche Effekte zeigen werden. Zumal Photovoltaikanlagen dort weniger als ökologische Projekte angesehen werden, sondern viel mehr einfach als billige Stromquellen. Die staatliche Förderung der Solarenergie diente immer auch dem Zweck, das Außenhandelsdefizit durch eine Minderung der Rohstoffimporte abzubauen. Durch Fracking werden die USA zu einem der größten Exporteure fossiler Brennstoffe, womit die bisherige Geschäftsgrundlage der Solarförderung entfällt.

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