USA: 7 Milliarden US-Dollar sparen durch Bau neuer Photovoltaikanlagen?

Das NREL (National Renewable Energy Laboratory) untersucht im Auftrag des US-Energieministeriums das Potenzial der erneuerbaren Energien für die USA. In einer neuen Studie hat sich das NREL mit den Kosten eines häufigen Herauf- und Herunterfahrens fossiler Kraftwerke beschäftigt. Wenn erneuerbare Energien einen zunehmend größeren Teil des Strombedarfs liefern, müssen wetterbedingte Leistungsschwankungen durch regelbare Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerke ausgeglichen werden. Das gilt zumindest solange, wie keine leistungsfähigen Stromspeicher zur Verfügung stehen. Aus ökonomischer Sicht besteht das zentrale Problem darin, dass diese Kraftwerksreserve auch dann laufende Betriebskosten verursacht, wenn sie aufgrund eines hohen Aufkommens an Ökostrom keinen Strom zu produzieren braucht.

Sieben Milliarden Dollar Einsparungen allein an der Westküste

Das NREL hat den Einfluss einer zunehmenden Zahl von Wind- und Solarkraftwerken innerhalb der „Western Interconnection“ untersucht, einer Region mit eng vernetzten Stromnetzen an der amerikanischen Westküste. Betrachtet wurden Szenarien, in denen ein Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Die jährlichen Brennstoffkosten sinken dabei um sieben Milliarden Dollar. Dem stehen lediglich erhöhte Betriebskosten von rund 160 Millionen Dollar für die fossilen Kraftwerke gegenüber. Die Emission von Schadstoffen der fossilen Kraftwerke sinkt in der Studie allerdings nicht ganz so stark, wie es die verminderte Stromproduktion vermuten lässt. Grund dafür ist der weniger effiziente Verbrennungsprozess fossiler Rohstoffe während der Kaltstartphase eines Kraftwerks.

Ergebnisse nur eingeschränkt auf Deutschland übertragbar

Das aus Sicht der Befürworter erneuerbarer Energien äußerst positive Ergebnis hängt auch mit amerikanischen Besonderheiten zusammen. Eine dieser Besonderheiten besteht in der wenig energieeffizienten Bauweise typischer amerikanischer Gebäude. Temperaturschwankungen werden durch die in Amerika allgegenwärtigen Klimaanlagen kompensiert, die meist wahre Stromfresser sind. Das führt dazu, dass hohe Leistungen von Photovoltaik Kraftwerken zeitlich mit einem hohen Stromverbrauch zusammenfallen. Das Leistungsprofil der Photovoltaik passt also mehr oder minder zufällig sehr gut zum Lastprofil. In Deutschland ist der Stromverbrauch privater Haushalte dagegen am Abend besonders hoch – das passt offensichtlich weniger gut! Hinzu kommt, dass die in der Studie betrachteten Kraftwerke im Wesentlichen von importiertem Öl und Gas abhängig sind. Für deutsche Gaskraftwerke gilt das ebenfalls. Aber in der gegenwärtigen Diskussion spielen auch Braunkohlekraftwerke eine wichtige Rolle, deren Brennstoff beispielsweise in NRW direkt vor der Haustür abgebaut wird. Das ändert die wirtschaftliche Gesamtbilanz, weil der Braunkohleabbau selbst ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region ist. Deswegen sieht man in NRW sogar gerne darüber hinweg, dass Braunkohle der mit Abstand umweltschädlichste Energieträger ist – zumindest in einem Teil der rot-grünen Landesregierung.

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