Ständiger Stromzugang in Indien mit Hilfe von Solartechnik

Indien will die Photovoltaik nutzen, um eine flächendeckende Stromversorgung aller Haushalte zu gewährleisten. Das hat der indische Premierminister Singh in seiner Eröffnungsrede zum Internationalen Seminar für Stromzugang angekündigt. In nur fünf Jahren soll dieses Ziel erreicht werden.

Optimale Voraussetzungen

Indien bietet optimale Voraussetzungen für einen raschen Ausbau der Photovoltaik. Die jährliche Sonneneinstrahlung ist mit 300 Sonnentagen sehr hoch, der Strombedarf wächst sehr schnell. Der rasche Anstieg des Stromverbrauchs ist nicht nur eine Folge der zunehmenden Industrialisierung dieses Schwellenlandes. Vielmehr gehört Indien zu den Staaten, die noch über kein flächendeckendes Stromnetz verfügen. Viele Länder, auf die das zutrifft, setzen mittlerweile auf Photovoltaik Inselanlagen, die nicht ans Stromnetz angeschlossen werden, sondern ausschließlich der autarken regionalen Stromversorgung dienen sollen. In einigen süd- und mittelamerikanischen Staaten sollen auf diese Weise Dieselgeneratoren ersetzt werden, die diese Aufgabe bislang übernehmen. In Indien sind vielerorts nicht einmal diese vorhanden, dort existiert überhaupt keine Stromversorgung für Haushalte in solchen Regionen.

Mehr als nur Ankündigungen

Reden auf internationalen Konferenzen sind gewöhnlich voller ehrgeiziger Pläne und Ankündigungen – die meisten davon sind bald darauf wieder vergessen. Diese Ankündigung des indischen Premierministers scheint eine löbliche Ausnahme zu sein, Indien hat schon längst begonnen, Fakten zu schaffen. Es existiert bereits ein nationales Förderprogramm, das für solche Inselanlagen Zuschüsse von 30 Prozent gewährt. Ist darüber hinaus eine Kreditfinanzierung erforderlich, hat Indien die Zinsen dieser Kredite gesetzlich auf maximal fünf Prozent beschränkt. Das lässt diese Programme auch für ausländische Investoren attraktiv erscheinen. Zielgerichtet sind diese Förderprogramme ebenfalls. Um eine Stromversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten, sind entsprechende Stromspeicher erforderlich. Für Anlagen mit solchen Speichern werden sehr hohe Zuschüsse von 1300 Euro pro Kilowatt Nennleistung gewährt. Das Programm ist erfolgreich, gegenwärtig fehlt es eher noch an den erforderlichen Stromleitungen. Allein im Jahr 2011 wurde in nahezu 1000 Dörfern eine Beleuchtung mittels Photovoltaik Anlagen realisiert. Oft fehlen aber noch die Anschlüsse, um Strom auch zu anderen Zwecken nutzen zu können. Auf deutsche Politiker muss das indische Photovoltaik Programm geradezu paradiesisch wirken. Verglichen mit dem Strom zur Selbstversorgung ist der Anteil des ins Netz eingespeisten Stroms nahezu vernachlässigbar. Was allerdings zugegebenermaßen sehr viel einfacher zu bewerkstelligen ist, wenn in weiten Teilen des Landes kein Stromnetz existiert. Ob deutsche Hersteller von den indischen Plänen profitieren werden ist zweifelhaft. Indien verfügt selbst über große Produktionskapazitäten für kristalline Module. Deren Preis-Leistungsverhältnis ist zwar international nicht konkurrenzfähig, aber auch als Alternative liegt China näher als Deutschland.

Bildquelle: World Economic Forum