Solarenergie: Große Pläne in Nordafrika

Nordafrika entdeckt die Möglichkeiten der Solarenergie. Neben dem von europäischer Seite angestoßenen Projekt Desertec werden in der Region zahlreiche eigene Projekte geplant. Im Zentrum der Aktivitäten stehen die Maghreb-Staaten, also Marokko, Tunesien und Algerien. Marokko plant, seine geographische Nähe zu Europa auszunutzen und Stromexporteur zu werden. Dazu passt auch, dass sich das Land auf Großanlagen konzentriert, die irgendwann an eine Mittelmeerleitung angeschlossen werden könnten. Bis 2020 wird eine Kapazität von zwei Gigawatt angestrebt.

Abwegig ist das keinesfalls, Marokko weist ideale klimatische Bedingungen für die Solarenergie auf. An geeigneten freien Flächen besteht auch kein Mangel. Wie ehrgeizig dieser Plan dennoch ist, offenbart ein Blick auf den Status Quo: Gegenwärtig muss Marokko noch 97 Prozent seines eigenen Energiebedarfs importieren, der Weg zum Nettoexporteur ist weit! Erstes Etappenziel soll daher eine weitgehende Selbstversorgung sein.

Technologieoffensive

Die Maghreb-Staaten sind keinesfalls gewillt, lediglich den Part des Aufstellorts für Solarmodule aus europäischer Herstellung zu übernehmen. Stattdessen will man idealerweise die gesamte Produktion selbst übernehmen, von der Siliziumherstellung bis zur Fertigung der Komplettanlagen. Zumindest Algerien ist in der Lage, die dazu notwendigen Investitionen zu stemmen. Algerien ist das größte Land Afrikas – und Algerien ist ein reiches Land! Noch basiert dieser Reichtum nahezu ausschließlich auf den großen Öl- und Gasvorkommen des Landes, aber die Regierung ist sich der Endlichkeit dieser Ressourcen bewusst. Sie hat erkannt, dass die riesigen Flächen des Landes mit extrem hoher Sonneneinstrahlung ebenfalls eine Ressource sind, die ausgebeutet werden kann. Und weil das nach dem Willen der Regierung mit eigenen Solaranlagen geschehen soll, wird gegenwärtig eine Produktionsanlage errichtet, die ab 2014 jährlich Module mit einer Gesamtleistung von mehr als 100 Megawatt fertigen soll. Der Auftrag für diese Anlage ging an das deutsche Unternehmen Centrotherm. Ohnehin scheint Algerien insbesondere für deutsche Unternehmen ein interessanter Zukunftsmarkt zu sein. Auch die Vorbehalte gegen Desertec gab das Land erst auf, als sich abzeichnete, dass in diesem Projekt keine französischen Unternehmen die Führungsrolle übernehmen würden, sondern deutsche. Kenner dieses Landes berichten übereinstimmend, dass die Kolonialvergangenheit in den Köpfen noch sehr präsent ist. Und mit ihr eine tief verwurzelte Aversion gegen alles, was auch nur im Entferntesten nach einer Abhängigkeit von Frankreich aussehen könnte.

Politische Probleme in Tunesien

Tunesien ist ebenfalls ein interessanter Photovoltaik Markt, erste Photovoltaik Projekte mit einer Gesamtkapazität von rund zwei Megawatt wurden bereits begonnen. Das allerdings ist sehr wenig, angesichts des rasch steigenden Energiebedarfs dieses rohstoffarmen Landes. Die politischen Verhältnisse sind allerdings recht instabil, in den letzten Jahren wechselten sich mehrere Übergangsregierungen ab. Einige Projekte scheiterten allein deswegen, weil internationalen Partnern ständig die Ansprechpartner im Land abhanden kamen.