Photovoltaik Potenziale in Indien

Indien scheint geradezu prädestiniert zu sein, einer der größten Photovoltaik Märkte der Welt zu werden. Das Land weist rund 300 Sonnentage im Jahr auf, die Sonneneinstrahlung ist mit rund 200 Megawatt pro Quadratkilometer deutlich höher als in Deutschland. An freien Flächen herrscht ebenfalls kein Mangel. Als eine der größten aufstrebenden Wirtschaftsmächte weist Indien darüber hinaus einen hohen Energiebedarf auf und verfügt auch über die notwendigen finanziellen Mittel. In Verbindung mit der politischen Stabilität, die ausländischen Investoren eine relativ hohe Investitionssicherheit garantiert, wird Indien dadurch zu einem attraktiven Standort für Photovoltaik Projekte.

Hohe Förderung für Solarstrom

Vorangetrieben wird der indische Photovoltaik Boom durch staatliche Förderinstrumente, in deren Zentrum das gesamtstaatliche Programm NSM (National Solar Mission) steht. Als Ziel wurde ein Ausbau der Photovoltaik Leistung auf 22 Gigawatt bis zum Jahr 2022 formuliert. Das scheint nicht unrealistisch, da bei ausgeschriebenen Großprojekten internationale Bieter geradezu Schlange stehen. Gelockt werden sie von Renditeerwartungen in der Größenordnung von etwa 20 Prozent nach Steuern. Diese werden durch eine Einspeisevergütung nach deutschem Vorbild sowie durch langfristige Stromlieferverträge ermöglicht. Neben dem nationalen Förderprogramm existieren weitere Förderprogramme auf der Ebene der Bundesstaaten, die auf diese Weise staatliche Vorgaben für den Anteil regenerativer Energien umsetzen. Eine regionale Ausgestaltung der Förderprogramme ergibt durchaus Sinn, da Indien eine sehr heterogene Struktur aufweist. Deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen bestehen sowohl hinsichtlich der Bevölkerungsdichte und des Strombedarfs als auch hinsichtlich der Projektkosten und des Ausbaustatus des Stromnetzes.

Indien importiert und exportiert zugleich

Die Produktion von Photovoltaik Modulen nimmt auch in Indien Fahrt auf, allerdings wird nahezu ausschließlich für den Export produziert, während bei eigenen Projekten importierte Module zum Einsatz kommen. Aus technischer Sicht ist das aufgrund der hohen Temperaturen und der hohen Sonneneinstrahlung durchaus sinnvoll. Bei hohen Temperaturen sind Dünnschichtmodule den Solarzellen aus kristallinem Silizium deutlich überlegen, die in Indien hergestellt werden. Hohe Außentemperaturen und eine starke Erwärmung aufgrund der hohen eingestrahlten Leistung sorgen so dafür, dass Indien ein denkbar ungünstiger Standort für die selbst produzierten Module wäre. Hinzu kommen wirtschaftliche Gründe. Die amerikanische Export-Import Bank – grob gesprochen das amerikanische Pendant zur deutschen KfW – ist mittlerweile mit Krediten von rund 175 Millionen Dollar an indischen Solarprojekten beteiligt. Ganz ohne Vorbedingungen erfolgte dieses Engagement jedoch nicht. Ein Sprecher von Solar World America umschreibt es höflich und attestiert der Export-Import Bank einen „spürbaren Willen, echten U.S-Herstellern beim Export ihrer Produkte zu helfen“.

Auch Europa ist aktiv

Auch Europa hat den Solarmarkt Indien längst entdeckt und ist dort engagiert. Sowohl auf EU-Ebene als auch auf Ebene der Mitgliedsstaaten wird der Ausbau erneuerbarer Energien in Indien unterstützt. Die Europäische Investitionsbank stellte der größten Bank Indiens, der ICICI-Bank, unlängst ein Darlehen über 200 Millionen Euro für Klimaschutzprojekte zur Verfügung. Auch die deutsche KfW Bank hat bereits mehrere hundertmillionen Euro an Krediten für konkrete Solarprojekte in Indien gewährt. Nicht nur die deutschen Modulhersteller profitieren vom Boom in Indien. So meldete der Zulieferer Roth & Rau einen Großauftrag aus Indien, der TÜV Süd konnte die Ausschreibung für die technische Begleitung eines Großprojekts gewinnen.

Bildquelle für die Globalstrahlungskarte: CC BY-SA 3.0 - SolarGIS © GeoModel Solar s.r.o.