Neue Richtlinien zum Photovoltaik-Ausbau in Großbritannien

Das britische Energieministerium hat die Grundzüge der künftigen Förderung der Photovoltaik veröffentlicht, die im nächsten Jahr in Kraft treten soll. Die genauen Details des reformierten Förderprogramms sind noch nicht bekannt, aber die Stoßrichtung der Reformen wird deutlich. Zusammenfassend scheint es, als habe man in Großbritannien die Entwicklung in Deutschland und andern Ländern, in denen der Ausbau weiter fortgeschritten ist als im eigenen Land, sehr genau verfolgt. Das durchaus nachvollziehbare Hauptziel der neuen Richtlinien scheint darin zu bestehen, die Fehler zu vermeiden, die andernorts gemacht wurden.

Gezielte Projektförderung statt breiter Zuschüsse

Gegenwärtig kommen in Großbritannien zwei Fördermechanismen parallel zur Anwendung. Energieversorger müssen eine Mindestquote an erneuerbaren Energien einhalten. Die zu diesem Zweck installierten größeren Anlagen werden mittels „Renewable Obligation Certificates“ gefördert, also einer Art von „Ökostromzertifikaten“, deren Wert vierteljährlich neu festgesetzt wird. Daneben existiert ein Förderprogramm, das stark an das deutsche EEG erinnert und das sich primär an private Haushalte richtet. Wie auch in Deutschland werden diese Kleinanlagen über eine Einspeisevergütung gefördert, die einer ständigen Degression unterliegt. Grundsätzlich kann im Rahmen dieser Förderung jeder eine Anlage in Betrieb nehmen, wann und wo er möchte. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass dies dazu führt, dass Anlagen nicht immer an den günstigsten Standorten installiert werden. Großbritannien plant daher, einen Regelungsmechanismus einzuführen, der die Förderung auf kosteneffiziente Projekte fokussiert. Dabei spielen nicht nur die Wetterverhältnisse am geplanten Standort eine Rolle, sondern auch die problemlose Einbindung der Anlagen in das bestehende Stromnetz.

Großbritannien gehört inzwischen zu den wichtigsten Märkten

Im ersten Halbjahr 2013 ist Großbritannien zum sechstgrößten Photovoltaikmarkt der Welt aufgestiegen – wenn man es denn so formulieren will. Das lag nicht etwa daran, dass es plötzlich zu einem Photovoltaikboom gekommen wäre. Der Zubau in den ersten acht Monaten des Jahres war mit 777 Megawatt zwar für britische Verhältnisse recht beachtlich, aber vor einigen Jahren hätte das nicht zu einer Spitzenposition gereicht. In anderen europäischen Ländern ist der Zubau infolge der Eurokrise aber eingebrochen, weswegen Großbritannien ohne größere eigene Anstrengungen an eine europäische Spitzenposition gespült wurde. Nur Deutschland und Italien liegen hier noch vor Großbritannien, aber infolge der faktischen Einstellung der Solarförderung in Italien wird Großbritannien demnächst sogar auf Platz zwei vorrücken. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass derzeit die installierte Gesamtleistung mit knapp 2,5 Gigawatt alles andere als beeindruckend ist. Auch die selbst gesteckte Zielmarke von rund zehn Gigawatt bis 2020 ist nicht allzu ambitioniert. Zum Vergleich: In den letzten Jahren belief sich der jährliche Zubau in Deutschland immer auf rund 7,5 Gigawatt.

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