Kroatien: Viele neue Anträgen für kleinere Photovoltaikanlagen erwartet

Kroatien hat in der Vergangenheit ein sehr eigentümliches System zur Verhinderung der Installation von Photovoltaikanlagen aufgebaut. Für große Anlagen mit einer Leistung ab 300 Kilowatt war die Förderung relativ unattraktiv. Für private Kleinanlagen wurde ein derart aufwändiges Genehmigungsverfahren etabliert, dass die meisten Interessenten bereits an dieser Hürde scheiterten.

Darüber war die Förderung in der Vergangenheit auf ein Megawatt pro Jahr gedeckelt. Mit einer Ausweitung des Fördervolumens und einer Vereinfachung des Antragsverfahrens hofft die Regierung, den Zubau beschleunigen zu können.

Vereinfachtes Antragsverfahren

Für Kleinanlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatt gilt ab sofort ein vereinfachtes Zulassungsverfahren, für das nur noch zwei Dokumente benötigt werden: Die Zustimmung des Netzbetreibers sowie ein Vertrag über den Verkauf des Stroms. Damit entfällt eine Vielzahl behördlicher Genehmigungen, die bislang erforderlich waren. Die Dauer des Genehmigungsverfahrens wird auf 60 Tage begrenzt, bislang war eine Bearbeitungsdauer von mehr als einem Jahr üblich. Die kroatische Regierung hofft, auf diese Weise ihre Zubauziele noch zu erreichen. Angestrebt wird ein jährlicher Zubau von zehn Megawatt bei den gebäudeintegrierten Anlagen und fünf Megawatt bei Freiflächenanlagen. Davon ist Kroatien weit entfernt, nicht einmal zehn Prozent dieser Zielmarke wurden bisher erreicht. Die gesamte installierte Leistung in Kroatien betrug noch im Mai 2012 nur rund ein halbes Megawatt. Daraus wir deutlich, wie ambitioniert die Zubauziele sind.

Reserven aktivieren

Zumindest kurzfristig sollte Kroatien einen deutlichen Zubau erreichen können. Das allerdings ist eher ein statistischer Effekt, denn die Anlagen existieren bereits. Mehr als fünf Megawatt können sofort ans Netz gehen, wenn die Genehmigungen erteilt werden. Bislang befinden sich viele dieser Anlagen in einer Warteschleife, weil nach bisherigem Recht der jährliche Zubau starr auf ein Megawatt beschränkt war. Die neuen Zubauziele werden es ermöglichen, diese Anlagen ans Netz zu bringen. Die kroatische Regierung erwartet, dass darüber hinaus viele Kleinanlagen neu errichtet werden. Ob das wirklich gelingt, kann jedoch angezweifelt werden.

Tücken im Steuerrecht

Eine wesentliche Hürde für private Haushalte auf dem Weg zur eigenen Photovoltaik Anlage bildet das kroatische Steuerrecht. Privathaushalte, die Strom ins Netz einspeisen wollen, müssen dazu formal ein Unternehmen gründen, etwa einen handwerklichen Betrieb. Soll der gesamte Strom eingespeist werden, ist darüber hinaus eine Baugenehmigung für die Anlage erforderlich. Die Förderung für kleine Anlagen bis 30 Kilowatt ist allerdings mit 30 Cent pro Kilowattstunde relativ hoch bemessen, weswegen seitens der Regierung dennoch mit einigem Interesse privater Anleger gerechnet wird. Für größere Anlagen bis 300 Kilowatt beträgt die Förderung immerhin noch 22 Cent pro Kilowattstunde, für noch größere Anlagen knapp 15 Cent.