Hybride Mikronetze: Strom für die Dritte Welt

Der Weg zu einer flächendeckenden Stromversorgung ist für viele Länder noch weit. Nicht nur die ärmsten Länder der Welt, sondern auch Länder wie China oder Indien weisen in ländlichen Regionen noch Lücken in der Stromversorgung auf. Oft scheitert der Ausbau des Stromnetzes an den Kosten, bisweilen auch an den geographischen Gegebenheiten. Teilweise befinden sich isolierte Siedlungen auf Inseln, teilweise in schwer zugänglichen Bergregionen. Mittlerweile haben sich Photovoltaik Inselanlagen ohne Netzanschluss als praktikable Lösung für eine dezentrale Stromversorgung erwiesen.

Verbesserungsbedarf bei Stromspeichern

Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht jedoch noch bei den Stromspeichern, die noch zu teuer und zu wartungsintensiv sind. Erste Versuche einer dezentralen Stromversorgung waren vor Jahren noch genau daran gescheitert. In Brasilien rosten beispielsweise noch immer zahlreiche alte Photovoltaik Anlagen in entlegenen Regionen vor sich hin, die seinerzeit mangels Wartung ausfielen und letztlich aufgegeben wurden. Das hatte dem Ruf solcher Photovoltaik Inselanlagen für lange Zeit nachhaltig geschadet, erst in jüngerer Vergangenheit haben einige lateinamerikanische und asiatische Länder diese Idee wieder aufgegriffen. Dieses mal mit deutlich mehr Erfolg. Gelungene Referenzprojekte in Thailand und Indien werden vermutlich die aktuelle Entscheidung Malaysias beeinflusst haben, sich ein ehrgeiziges Ziel zu setzen: Der malaysische Teil Borneos soll bis zum Jahr 2015 durch Inselanlagen flächendeckend mit Strom versorgt werden.

Hybride Mikronetze für eine unterbrechungsfreie Versorgung

Um eine zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten, werden die Photovoltaik Anlagen mit anderen Stromquellen kombiniert, die als Backup fungieren. Solche Inselanlagen mit einer Kombination aus mehreren Stromquellen werden als hybride Mikronetze bezeichnet. In Malaysia sollen Dieselgeneratoren als zusätzliche Stromquelle fungieren. Bemerkenswert ist, dass Malaysia bei der Elektrifizierung entlegener Regionen nicht ausschließlich auf solche Generatoren setzt. Das Land verfügt über erhebliche Ölvorkommen, könnte sich also durchaus auch für diese Lösung entscheiden. Ohnehin stellt Malaysia einen Sonderfall dar. Viele Länder ohne flächendeckende Stromversorgung sind relativ arm, was für Malaysia nicht gilt. Aufgrund seiner Öl- und Gasvorkommen ist das Land reich und verfügt über eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Deswegen kann es sich das Land leisten, sich für die Elektrifizierung den sehr ehrgeizigen Zeitplan bis 2015 zu setzen. Untypisch ist auch, dass sofort leistungsfähige und zuverlässige hybride Mikronetze installiert werden, die den Bewohnern auch den Betrieb von Kühltruhen und anderen Geräten erlauben, die eine ständige Stromversorgung erfordern. In Ländern wie Indien begnügt man sich in vielen Ortschaften im ersten Schritt damit, während der meisten Zeit für eine Beleuchtung zu sorgen.

Chancen für hybride Mikronetze

Wenn die Kopplung von Photovoltaik und Dieselgeneratoren in Malaysia reibungslos funktioniert, könnte das Projekt viele Nachahmer finden. Dieselgeneratoren sind in Lateinamerika und vielen kleinen pazifischen Inselstaaten zur Stromversorgung weit verbreitet und werden zurzeit in zahlreichen Projekten durch Photovoltaik Anlagen ersetzt. Die Idee, diese Generatoren in die Netze einzubinden und als Reservekapazität weiterhin bereit zu halten, erscheint daher naheliegend.