Großes Solarpotenzial in der Schweiz

In der Schweiz findet gegenwärtig eine Neubewertung regenerativer Energien statt. Galt bislang ein Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtstromerzeugung im einstelligen Prozentbereich als realistisch, so wird heute allein der Photovoltaik langfristig ein Anteil von 20 Prozent vorhergesagt. Das Ziel von 20 Prozent Stromanteil für die Photovoltaik wird von nahezu allen Beteiligten als realistisch eingeschätzt, lediglich hinsichtlich des Zeitplans bestehen unterschiedliche Ansichten.

Nur der Zeitplan ist noch strittig

Die Regierung hält ein Erreichen dieses Ziels im Jahr 2050 für praktikabel. Aufgrund der hohen Kosten müssten die Investitionen über einen solchen langen Zeitraum gestreckt werden. Der Schweizer Solarverband Swissolar formuliert deutlich ehrgeizigere Ziele, bereits 2025 könne dieses Ziel demnach erreicht werden. Laut der Prognosen des Verbandes wird der gesamte Strombedarf der Schweiz 2025 ungefähr 60 Terawattstunden betragen, die Photovoltaik könnte dazu 12 Terawattstunden beitragen. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf die sinkenden Modulpreise, die das Investitionsvolumen deutlich unter die Schätzungen der Regierung drücken werden. Ein weiterer Effekt der sinkenden Preise für die Solarmodule besteht darin, dass sich auch Anlagen auf Dächern mit nicht optimaler Ausrichtung künftig rechnen werden.

Wohin mit den Solaranlagen?

Photovoltaik Kraftwerke in der Landschaft stoßen auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung. Entsprechend umstritten ist ein Plan der Centralschweizerischen Kraftwerk AG, im Kanton Luzern ein Photovoltaik Kraftwerk mit einer Leistung von zehn Megawatt auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche zu bauen. Kritiker verweisen darauf, dass genügend Flächen zur Verfügung stehen, um die angestrebte Leistung ohne Eingriffe in das Landschaftsbild zu erreichen. Allein an Dach- und Fassadenflächen sind bislang noch 200 Quadratkilometer ungenutzt, die für Photovoltaik Anlagen geeignet wären. Hinzu kommen zahlreiche weitere geeignete Flächen, beispielsweise auf Parkplätzen und ehemaligen Industrieflächen. Probleme bereitet allenfalls, dass gegenwärtig noch zu wenig Fachpersonal verfügbar ist, um die angestrebte Zahl von Solaranlagen zu installieren. Auch für dieses Problem ist eine Lösung in Sicht, an mehreren Fachschulen werden entsprechende Ausbildungen angeboten.

Eine Schweizer Spezialität: Lawinenverbauungen

In der Schweiz gibt es Lawinenverbauungen mit einer Gesamtlänge von mehr als 600 Kilometern. Theoretisch können auf diesen Verbauungen zahlreiche Solarmodule installiert werden, rund zehn Prozent der Gesamtstrecke scheinen dafür geeignet zu sein. Der Stromertrag solcher Anlagen wäre überdurchschnittlich hoch, da Lawinenverbauungen sich in großer Höhe befinden, wo das Sonnenlicht nicht durch die für tiefere Lagen typischen Dunstschichten geschwächt wird. Praktische Erfahrungen dazu, wie diese Anlagen die Beanspruchungen im Winter überstehen, fehlen noch. Oberhalb der Gemeinde Bellwald wird gegenwärtig die erste Solaranlage auf einer Lawinenverbauung installiert. Sie wird auch Klarheit darüber bringen, wie stark die glitzernden Module das Landschaftsbild beeinträchtigen.