Großbritannien: Erneute Absenkung der Einspeisevergütung im November 2012

In Großbritannien steht eine erneute Absenkung der Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaik Anlagen an, weil die Zubauziele für einige Anlagenklassen bereits erfüllt sind. Nach einer deutlichen Absenkung zum 01. August wurde nun bereits der nächste Kürzungsschritt angekündigt, der zum 01. November in Kraft treten soll. Für Kleinanlagen bis vier Kilowatt sinkt die Einspeisevergütung auf 19 Cent pro Kilowattstunde, für Anlagen mit einer Leistung zwischen 10 und 50 Kilowatt auf 16 Cent.

Chaotische Förderlandschaft in Großbritannien

Verglichen mit der Situation in Großbritannien zeichnet sich die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland geradezu durch Zuverlässigkeit und langfristige Planbarkeit aus. So ist denn auch die britische Ankündigung, die Einspeisevergütung aufgrund des Erreichens der Zubauziele abzusenken, aus mindestens zwei Gründen merkwürdig: Erstens kennt das britische Fördersystem eigentlich keine Einspeisevergütung, und zweitens kennt es keine Zubauziele. Im Grunde wendet Großbritannien ein Quotenmodell an, in dem der einzige staatliche Eingriff darin besteht, Energiekonzernen eine Mindestquote an Strom aus erneuerbaren Energien aufzuerlegen. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass Investoren ein wenig mehr an Sicherheit fordern, weswegen das einfache Quotenmodell durch zahlreiche improvisierte Ergänzungen modifiziert wurde. Für kleine Photovoltaik Anlagen wurde letztlich doch eine Abnahmeverpflichtung des Stroms zu festen Preisen eingeführt, die de facto auf eine Einspeisevergütung nach deutschem Vorbild hinausläuft. Darauf wurde für Anlagen mit einer Leistung von mehr als 50 Kilowatt zwar verzichtet, aber das Quotenmodell wurde auch hier deutlich gerupft. Von der Idee, der freie Wettbewerb solle darüber entscheiden, auf welche Weise die Quotenvorgabe erneuerbarer Energien am wirtschaftlichsten erfüllt werden kann, ist wenig übrig geblieben. Stattdessen wurde ein Programm namens „Contracts for difference“ ins Leben gerufen, das technologieabhängige Vergütungen für Strom vorsieht. Vollkommen unklar bleibt, welche Zubauziele aktuell eigentlich bereits erreicht worden sein sollen. Der Zubau an Photovoltaik Anlagen ist in Großbritannien infolge der jüngsten Kürzungen deutlich zurückgegangen. Insgesamt betrug der Zubau bei Anlagen bis 50 Kilowatt von Mai bis Juli nur rund 0,2 Gigawatt, bei größeren Anlagen waren es nur 0,01 Gigawatt. Welche Zubauziele damit auch immer übertroffen worden sein mögen, sehr ambitioniert waren sie nicht!

Britische Unternehmen protestieren

Zahlreiche Unternehmen und Verbände haben sich an die britische Regierung gewandt und eine klare Linie bei der Förderung regenerativer Energien eingefordert. Kritisiert werden sowohl die unüberschaubare Vielzahl von Insellösungen für einzelne Technologien als auch das hohe Tempo der Änderungen der Förderrichtlinien. Es sei an der Tagesordnung, dass das Energieministerium Förderprogramme während der Laufzeit kurzfristig ändere. Unternehmen seien häufig dazu gezwungen, bei längerfristigen Investitionsentscheidungen die Absicht der Regierung anhand unzähliger halboffizieller Schreiben mehr oder weniger zu erraten. Bis heute sei nicht wirklich erkennbar, ob die Regierung erneuerbare Energien eigentlich wolle oder nur widerwillig einige grundlegende Forderungen der EU erfülle.