Drastische Kürzung der Solarförderung in Kroatien

Die Förderung der Photovoltaik in Kroatien wird deutlich zurückgefahren. Betroffen sind primär Großprojekte gewerblicher Investoren, für kleinere Anlagen fallen die Kürzungen deutlich weniger stark aus. Der Entscheidung gingen längere öffentlich ausgetragene Konflikte innerhalb der Regierung voraus, ob zukünftig eher auf Biogas oder auf die Photovoltaik gesetzt werden solle. Der schließlich gefundene Kompromiss gibt keine klare Strategie für die Zukunft der erneuerbaren Energien vor, sondern wirkt eher wie ein für alle Beteiligten einigermaßen gesichtswahrender Formelkompromiss. Offenbar bestand nicht einmal Einigkeit darüber, ob auf eine dezentrale oder auf eine zentrale Stromerzeugung gesetzt werden soll. So wurde die Einspeisevergütung für Anlagen mit einer Leistung ab 300 Kilowatt drastisch von 52 Cent auf 15 Cent gekürzt. Ein Zuschlag von maximal 15 Prozent auf die Förderung kann jedoch gewährt werden, wenn die Gemeinde, in der die Anlage errichtet wird, davon „in besonderem Maße profitiert“. Und weil niemand bis heute weiß, was das eigentlich bedeutet, konnten sich darauf alle Beteiligten einigen.

Verblüffende Logik

Deutschland und andere Staaten setzen auf eine bisweilen als „atmender Deckel“ bezeichnete Strategie, die zwar in der Praxis nicht immer funktionierte, aber im Ansatz nachvollziehbar ist: Soll der Zubau beschleunigt werden, wird die Förderung erhöht. Soll er verlangsamt werden, wird sie entsprechend abgesenkt. In Kroatien atmen die Deckel offenbar in eine andere Richtung: Bislang wurde 2012 weniger als ein Megawatt zugebaut. Durch die drastische Absenkung der Förderung soll der Zubau nun beschleunigt werden, um in diesem Jahr wenigstens noch 15 Megawatt zu erreichen. Das klingt einerseits merkwürdig, aber andererseits auch nicht merkwürdiger als beispielsweise ein kreditfinanzierter Schuldentilgungsfonds.

Die Regelungen im Einzelnen

Betreiber kleinerer Anlagen sind von den Kürzungen auch betroffen, können aber nach wie vor mit einer vergleichsweise hohen Einspeisevergütung rechnen: Für Anlagen mit einer Nennleistung von bis zu 10 Kilowatt beträgt die Einspeisevergütung künftig 35 Cent pro Kilowattstunde, für Anlagen zwischen 10 und 30 Kilowatt 30 Cent. Diese Fördersätze sind im europäischen Vergleich durchaus attraktiv, gelten aber eben nur für Anlagengrößen, die für ausländische Investoren unattraktiv sind. Im Bereich zwischen 30 und 300 Kilowatt Nennleistung beträgt die Förderung künftig 22 Cent pro Kilowattstunde. Für alle größeren Anlagen gilt künftig der einheitliche Fördersatz von 15 Cent.

Fraunhofer Institut investiert in Kroatien

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme plant, 2015 in Kroatien eine Produktionsanlage für Photovoltaik Module in Betrieb zu nehmen. Insgesamt sollen 700 Millionen Euro in dieses Projekt investiert werden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entscheidung auch Einfluss auf die Förderung weiterer Projekte im eigenen Land haben wird.