Das Ende von Desertec - Eine Zusammenfassung

Im Jahr 2009 schlossen sich 20 Partner sowie zahlreiche weitere assoziierte Mitglieder in der Desertc-Stiftung zusammen, die in den Wüsten Nordafrikas Solarstrom produzieren wollte. Zu diesem Zweck wurde als operative Einheit die DII (Desertec Industrial Initiative) gegründet. Nun steigen, abgesehen von RWE und zwei weiteren Mitgliedern, alle Teilnehmer aus dem Projekt aus. Die drei verbliebenen Gesellschafter der DII wollen einen Minimalbetrieb aufrecht erhalten, um das in den letzten fünf Jahren erworbene Wissen zu erhalten.

Eine durchwachsene Bilanz

Die deutschen Medien sprechen überwiegend von einem Scheitern des Projekts, was aber nur teilweise stimmt. Richtig ist, dass das geplante Prestigeprojekt der Desertec Initiative nie wirklich in Angriff genommen wurde. Dabei ging es um ein gewaltiges Solarkraftwerk, das nicht nur den Strombedarf der Region deckt, sondern über ein Mittelmeerkabel zusätzlich rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs liefern sollte. Dieses Projekt wurde schon recht früh zu den Akten gelegt. Das lag zunächst daran, dass der „arabische Frühling“ deutlich machte, dass die Region politisch zu instabil ist, um als zuverlässiger Stromlieferant für Europa fungieren zu können. Es lag aber auch daran, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa schneller erfolgte als ursprünglich geplant war. Europa benötigt keinen Stromimport in der ursprünglich geplanten Größenordnung mehr, sondern lediglich eine effiziente Verteilung des innerhalb der EU erzeugten Stroms. Jenseits dieses tatsächlich gescheiterten Großprojekts kann die DII allerdings durchaus auf Erfolge verweisen.

Die Idee des Wüstenstroms ist nicht tot

Die DII war nie als Betreiber oder gar Bauherr für nordafrikanische Solarkraftwerke konzipiert, sondern als Beratungsgesellschaft. Unstrittig ist, dass die Idee des Solarstroms in Nordafrika und im arabischen Raum in den letzten Jahren einen ungeheuren Aufschwung erlebt hat. Im Jahr 2014 werden dort Solarkraftwerke mit einer Leistung von drei Gigawatt ans Netz gehen. Zahlreiche weitere Großprojekte sind in der Pipeline. Bis zum Jahr 2020 wird nach internen Berechnungen der DII der jährliche Zubau in der Region auf mehr als 30 Gigawatt steigen. Auch in anderen Regionen der Welt ist man auf die Idee großer Solarkraftwerke in Wüsten aufmerksam geworden. Südkorea plant Großkraftwerke in der Wüste Gobi, Japan in der Mongolei. In Chile wird über ein eigenes Projekt nach dem Vorbild von Desertec in der Atacama-Wüste in Mexiko diskutiert. Überall dort war die die DII mit Beratern vor Ort tätig. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass während der aktiven Phase der DII die Idee des Stroms aus der Wüste weltweit zahlreiche Anhänger gefunden hat. Genau dies war das primäre Ziel der Gründer von Desertec. Wie groß genau der Anteil der DII an dieser Entwicklung war, ist angesichts des vergleichsweise bescheidenen Jahresetats von rund zwei Millionen Euro vielleicht gar nicht so wichtig.

Bild Quelle: DESERTEC Foundation

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