China: Weltgrößter Photovoltaik-Markt

China ist schon längst zum größten Photovoltaik Hersteller der Welt aufgestiegen, aber die Nachfrage nach Solarmodulen war im eigenen Land lange Zeit vergleichsweise gering. Erst in den letzten Jahren änderte sich dies allmählich, aktuell hat die Nachfrage nochmals deutlich angezogen. Immerhin neun Gigawatt wurden in China im dritten Quartal 2013 zugebaut, womit das Land auch auf der Nachfrageseite weltweit zur Nummer eins avancierte. Für die chinesische Solarbranche ist die rasant steigende Binnennachfrage ohne Zweifel eine gute Nachricht. Ob auch deutsche Hersteller davon profitieren können, ist indes mehr als fraglich.

Eine typische Entwicklung

Was sich in China gerade im Bereich der Photovoltaik abspielt, ist eine für das Land typische Entwicklung, die ähnlich auch schon in anderen Industriezweigen abgelaufen ist. China wandelt sich allmählich von einem Niedriglohnland, das seine Wirtschaftsleistung primär als billiger Produktionsstandort für ausländische Unternehmen generiert, zu einer Industrienation. Es entsteht eine Mittelschicht mit einer gewissen Kaufkraft sowie eine Unternehmenslandschaft, die man in Deutschland vielleicht als „mittelständische Wirtschaft“ bezeichnen würde, wenngleich dieser Begriff kaum auf das noch immer planwirtschaftlich geprägte China übertragbar ist. In diesen Bereichen entsteht die Nachfrage nach Solarmodulen. In anderen Schwellenländern wie Indien bietet das auch Chancen für ausländische Anbieter. Indien verfügt zwar selbst über erhebliche Überkapazitäten im Bereich der Photovoltaik, ist aber ein klassischer Billiganbieter. Wo hochwertige Komponenten und schlüsselfertige Konzepte verlangt werden, wird beides trotz der heimischen Überkapazitäten importiert. China nutzt seine planwirtschaftlichen Steuerungsinstrumente, um eine vergleichbare Entwicklung zu verhindern. Die angeblich privaten und rein marktwirtschaftlich arbeitenden Solarhersteller wurden im September kurzerhand per staatlichen Erlass daran gehindert, weiter ausschließlich auf Quantität zu setzen, also auf eine Ausweitung der Produktionskapazitäten. Mindestens drei Prozent ihres Umsatzes müssen sie künftig in Forschung und Entwicklung investieren, um ihre bestehenden Kapazitäten qualitativ zu verbessern.

Gespaltene Entwicklung der Solarbranche

Die Solarbranche entwickelt sich aufgrund dieser Entwicklung weltweit höchst unterschiedlich. Wer vom Boom in China profitieren kann, wird von den Investoren hofiert. Allen voran das Unternehmen Jinksolar, dessen Aktien im letzten Jahr 200 Prozent an Wert gewannen. Auf der Konferenz „Solar Power International“ in Chicago waren sich Vertreter der Investoren kürzlich einig, dass die Aussichten der Photovoltaik Branche noch nie so gut gewesen seien wie derzeit. Zu dieser Einschätzung trug der Boom in Asien, insbesondere in China, maßgeblich bei. Die deutsche Solarbranche dürften die Investoren allerdings kaum gemeint haben. Die Zahl der Unternehmen hat sich hierzulande in kurzer Zeit halbiert, die Zahl der Beschäftigten ist binnen eines Jahres von 130.000 auf 100.000 gesunken. Die Aktienkurse deutscher Photovoltaik Unternehmen dümpeln vor sich hin, Solarworld sitzt als Pennystock schon länger auf einem Ramschniveau von unter einem Euro fest.

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