Afrika: Erste Solarmodul-Produktion in Kenia

Gerade Afrika scheint für die Nutzung von Solarstrom ideal zu sein: Nirgendwo sonst auf der Welt scheint die Sonne so häufig, nämlich mit vier bis sechs Kilowattstunden täglich pro Quadratmeter. Dennoch war die Solarpanel-Produktion gerade dort bisher bemerkenswert unerschlossen. Der Niederländer Haijo Kuper will das ändern - als Managing Director der ersten Solarpanel-Produktionsstätte in Ostafrika.

Ubbink East Africa - ein holländisch-afrikanisches Joint Venture

In großen Teilen Afrikas ist die Elektrifizierung bis heute nicht voran geschritten. Die Menschen arbeiten entweder nur bei Tageslicht, weil ihnen schlicht nichts anderes übrig bleibt. Alternativ, wenn sie es sich leisten können, kommen gesundheits- und umweltschädliche Öllampen zum Einsatz, die vor allem für Kinder eine außerordentliche Gefahrenquelle darstellen. Haijo Kuper will diese Situation verbessern - und zwar nun von Naivasha aus, einer ca. 90 km nordwestlich von Nairobi gelegenen Stadt. Dort managt er die erste Fabrik für Solapanels in Ostafrika. Das Unternehmen namens Ubbink East Africa ist ein Joint Venture zwischen der holländischen Firma Ubbink, die auf Energieffizienz und Solarkraft spezialisiert ist und dem kenianischen Unternehmen Chloride Exide, das Back-up Equipment und Batterien für den Solar- und Energiemarktika produziert.

Ostafrika ist weltweit mitführend in Solarinstallationen pro Einwohner

Die nationalen Stromnetze in Kenia - wie auch fast überall im Rest von Afrika - sind aufgrund der Investitionskosten immer noch sehr unzureichend ausgebaut. Solarenergie wird von den zuständigen Ministerien zwar als unterstützenswerte Lösung wahrgenommen, vor allem im Hinblick auf Stromausfälle und den Klimawandel - aber auch hier sind die finanziellen Mittel gering, vor allem für die Bewohner, von denen ein Drittel von weniger als zwei Dollar pro Tag lebt. Immerhin wird die Integration von Solarpanels in neue Häuser subventioniert und der Import von Solarequipment erfolgt zu steuerlich herabgesenkten Einfuhrkosten, auch wenn die Einspeiserate mit 20 Cent eher uninteressant für den einzelnen Erzeuger ist. Dass Ostafrika trotz aller Hindernisse eine der global höchsten Installationsraten für Solarpanels pro Kopf vorweisen kann - pro Jahr wächst die Nachfrage um 15 %, während die Preise für Solarsysteme um 75 % gefallen sind - liegt an den vielen Betreibern, die den Strom direkt selbst nützen.

Innovative Geschäftsidee an den afrikanischen Markt angepasst

Dabei handelt es sich um autarke, lokale Lösungen, bei denen etwa kleine Farmhäuser ein einziges Solarpanel auf dem Dach haben und so das Handy sowie ein paar Glühbirnen betreiben. Langsam wächst auch das Bewusstsein der Ein-Mann-Betriebe für die Möglichkeiten des Solarstroms. Getreidemühlen werden mit der erneuerbaren Energie betrieben, ebenso die mobilen Telefone der Viehtreiber damit aufgeladen und Internet-Cafes machen auf, um nur einige Beispiele zu nennen. Deshalb gehört es auch unabdingbar zu Haijo Kupers Unternehmensphilosophie, die Preise niedrig zu halten. Möglich wird dies durch den Import beschädigter Solarzellen aus Holland, die noch zu kleineren, intakten Einheiten verarbeitet werden können. Die 51 jungen Beschäftigten von Ubbink East Africa, die sowohl in den Niederlanden wie in Kenia ausgebildet werden, setzen die Photovoltaik Module vor Ort mit Laser und per Hand zusammen. Ein solches Solarpanel mit 13 bis 125 Watt Leistung, das ein Handy und mehrere Glühbirnen betreiben kann, kostet umgerechnet 30$. 10.000 Stück wurden 2011 verkauft, dieses Jahr sollen es dreimal soviele sein. Danach möchte Kupers zunächst nach Uganda und Tansania und schließlich nach ganz Ostafrika expandieren.

Fazit

Ubbink East Africa ist ein Vorreiterunternehmen: Seine recycelten Solarmodule fügen dem Aspekt der erneuerbaren Energien nochmals eine umweltfreundliche Prouktion hinzu. Dies ist ein extrem intelligenter Weg, Arbeitsplätze im eigenen Land zu behalten, während der Rest der Welt langsam aber sicher in die Hände chinesischer Solar-Produzenten fällt. Zudem werden autarke Off-Grid Insellösungen gefördert, die grundsätzlich die Zukunft des sauberen Energiemarktes sind.