Solarkatamarane: Zukunft der Seefahrt?

Meldungen über Fahr- und Flugzeuge mit alternativen Antrieben gehören schön beinahe zur wöchentlichen Routine. Häufig werden neue Rekordstrecken gemeldet, die Autos mit alternativen Antrieben mit nur einem Liter Sprit zurückgelegt haben. Erst kürzlich gelang es, die USA in einem ausschließlich solar betriebenen Flugzeug in Ost-West-Richtung komplett zu überfliegen. Die MS TÛRANOR PlanetSolar stellte als ausschließlich solar betriebenes Schiff kürzlich mit einer Pazifiküberquerung ebenfalls einen neuen Streckendrekord auf, genau 18.342 Kilometer legte sie dabei zurück. Dies war die längste Strecke, die jemals ein Fahrzeug mit Solarantrieb zurückgelegt hat. Meldungen, es sei die längste Strecke gewesen, die überhaupt jemals ausschließlich mit regenerativen Energien zurückgelegt wurde, klingen hingegen ein wenig merkwürdig.

Prototypen für spezielle Anwendungen

Boote und Schiffe mit Solarantrieb gibt es mittlerweile viele, aber noch mangelt es an der Alltagstauglichkeit. Auf der MS TÛRANOR PlanetSolar musste beispielsweise nicht nur das gesamte Deck mit Solarzellen bestückt werden, sondern es mussten sogar noch zusätzliche Flächen angebaut werden, um auf die erforderlichen 537 Quadratmeter zu kommen. Dadurch werden die praktischen Nutzungsmöglichkeiten dieses Schiffs deutlich eingeschränkt. Eher bescheiden ist dagegen der Flächenbedarf für die Photovoltaik Module auf der „Alstersonne“. Dieser Solarkatamaran dient als Ausflugsschiff und fährt ausschließlich auf der Alster. Dadurch wird vieles einfacher. Stürme und hoher Seegang sind nicht zu befürchten, weswegen die eher bescheidene Leistung von fünf Kilowatt ausreicht. Die maximale Geschwindigkeit ist mit 15 Stundenkilometern ebenfalls nicht allzu hoch, aber für touristische Alsterrundfahrten vollkommen ausreichend. Hinzu kommt, dass als Backupsystem einige Batterien ausreichen, die das Schiff ans Ufer zurückbringen können, wenn der Solarantrieb versagen sollte. Hochseetaugliche Schiffe benötigen hingegen als Reservesystem einen vollständigen konventionellen Antrieb.

Umweltschutz auf Schiffen wäre dringend erforderlich

Wie weit der maritime Alltag von solchen vereinzelten Leuchtturmprojekten entfernt ist, macht ein Blick auf die Kreuzfahrtschiffe deutlich. Hier sind nicht einmal minimale Umweltstandards vorgeschrieben. Der Schadstoffausstoß eines solchen Schiffs pro Kilometer entspricht etwa dem von fünf Millionen PKW. Irgendwelche Schadstofffilter zur Reinigung der Abgase sind nicht vorgeschrieben, ebenso wenig wie die Verwendung von schwefelarmen Treibstoffen. Stattdessen werden diese Schiffe mit Schweröl betrieben, das in der Industrie massenweise als Abfallstoff anfällt und besonders umweltschädlich ist. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Seefahrt in absehbarer Zeit eine Vorreiterrolle im Umweltschutz übernimmt. Gegenwärtig wird die unter Hinweis auf den Kostendruck durch die internationale Konkurrenz stattdessen selbst von allen minimalen Umweltauflagen befreit, die für Autos, Gebäude und Gewerbebetriebe selbstverständlich sind.

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