Software zur Ermittlung der Blendwirkung einer Photovoltaikanlage

Das Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik entwickelt gegenwärtig eine Software, mit der sich die Blendwirkung einer Photovoltaikanlage bereits vor der Installation der Module simulieren lässt. Grundlage der Simulation ist exaktes Kartenmaterial, das auch die lokale Bebauung in der Nähe der Anlage berücksichtigt. Die Berechnung kann für jeden Sonnenstand vorgenommen werden, also für jeden Tag und für jede Uhrzeit.

Sicherheitsaspekte im Vordergrund

Gegenwärtig stehen bei der Analyse Risiken für den Flugverkehr im Vordergrund. Insbesondere in der Nähe von Flughäfen kann die Blendung von Piloten erhebliche Sicherheitsrisiken bergen. Erste Testumgebung für die neue Software war daher die Region um den Frankfurter Flughafen. Ähnliche Probleme können auch im Straßenverkehr auftreten. Aus diesem Grund ist geplant, die Software auch jedem privaten Interessenten zugänglich zu machen. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen, weil dazu flächendeckend detailliertes Kartenmaterial eingebunden werden muss.

Mögliche Gegenmaßnahmen

Wird ein Problem festgestellt, können bereits bei der Planung entsprechende Korrekturen vorgenommen werden. Insbesondere Freiflächenanlagen bieten einige Möglichkeiten, die Ausrichtung und die Neigung der Solarmodule zu variieren. Geringfügige Abweichungen von den optimalen Werten führen dabei nur zu minimalen Ertragseinbußen. Möglich ist auch, Module mit mattierten Oberflächen einzusetzen, um die Reflektionen des Sonnenlichts zu minimieren. Dies ist allerdings mit erheblichen Mehrkosten verbunden. In einigen Fällen können Gefährdungen für den Straßenverkehr auch durch einfache Maßnahmen ausgeschlossen werden, manchmal genügt eine Heckenbepflanzung in der Sichtlinie zur Anlage.

Nachbarn müssen Blendwirkung hinnehmen

Fühlen sich Nachbarn durch die Blendwirkung belästigt, führt das häufig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Wenngleich Photovoltaikanlagen auf Dächern ohne Baugenehmigung installiert werden dürfen, sind die Regeln des Immissionsschutzes dennoch anzuwenden. Durch die Genehmigungsfreiheit entfällt diese Prüfung nicht, sie wird lediglich an den Bauherren delegiert. Gerichtliche Entscheidungen fallen meist zugunsten des Anlagenbetreibers aus, da er sich in der Rechtsgüterabwägung darauf berufen kann, dass der Gesetzgeber den Ausbau erneuerbarer Energien ausdrücklich wünscht und fördert. Dabei ist auf den Normalfall abzustellen, der im Juristendeutsch als „ortsübliche Nutzung“ bezeichnet wird. Für Schlagzeilen sorgen jedoch die wenigen Urteile, in denen Photovoltaikanlagen demontiert werden mussten, weil sie weit vom Normalfall entfernt waren. In einem Fall reflektierte die Anlage aus nur fünf Metern Entfernung Licht in einen Tierstall eines benachbarten landwirtschaftlichen Betriebs, was bei den Tieren zu Wachstumsstörungen und zu aggressivem Verhalten führte. In einem weiteren Fall handelte es sich um eine steil aufgeständerte Anlage auf einem Flachdach eines tiefer liegenden Gebäudes. Diese bewirkte eine Blendwirkung des höher gelegenen Nachbargebäudes von schräg unten, gegen die Jalousien und andere übliche Lichtschutzmaßnahmen nicht schützten.
Bildquelle: © Fraunhofer FIT