Pilotprojekt: Photovoltaik Ortsnetzspeicher

Im Rahmen eines Pilotprojekts wird in Neustadt die Integration eines Stromspeichers in das Ortsnetz erprobt. Dieses gemeinsame Vorhaben der IBC Solar AG und der örtlichen Stadtwerke könnte Lösungswege für gleich mehrere drängende Probleme der Energiewende aufzeigen, größte Aufmerksamkeit dürfte diesem Modellprojekt daher sicher sein. Die Idee ist denkbar einfach: Steht zu viel Strom aus Photovoltaik Anlagen zur Verfügung, wird er in dem Speicher zwischengespeichert, um in den Morgen- und Abendstunden wieder ins Netz eingespeist zu werden.

Diese Idee ist so nahe liegend, dass sie selbstverständlich nicht neu ist. Bislang scheiterten solche Ideen daran, dass keine leistungsfähigen Stromspeicher zur Verfügung stehen – oder standen? In Neustadt setzt man auf Batteriespeicher, die über eine Speicherkapazität von 200 Kilowattstunden verfügen.

Speicher als Universallösung

Wie wichtig die Entwicklung leistungsfähiger Stromspeicher ist, wird bei einem Blick auf zwei zentrale Herausforderungen der Energiewende an das Stromnetz deutlich. Ein Problem besteht darin, zu hohe Leistungsschwankungen im Netz zu vermeiden. Aktuell werden aus diesem Grund dezentrale Anlagen zur Stromerzeugung mit einer Regelungstechnik nachgerüstet, die es dem Netzbetreiber erlaubt, sie teilweise vom Netz zu nehmen. Es versteht sich von selbst, dass eine Zwischenspeicherung des Stroms die bessere Lösung wäre. Ein zweites Problem liegt darin, dass in den heutigen Planungen noch immer grundlastfähige Kraftwerke benötigt werden, die zu jedem Zeitpunkt die Stromversorgung garantieren können. Die Schwierigkeit besteht dabei nicht darin, dass regenerative Energien nicht genug Strom liefern könnten. Im zeitlichen Mittel können sie das, aber eben nicht zu jedem Zeitpunkt. Ob Stromspeicher in Verbindung mit einer vernetzten Steuerung der einzelnen Stromerzeuger dieses Problem vollständig lösen können, ist Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen unter Experten. Sind viele nicht grundlastfähige kleine Stromerzeuger in der Summe grundlastfähig, wenn sie intelligent kombiniert werden?

Auf welcher Netzebene soll gespeichert werden?

Bislang wurden hauptsächlich zwei Konzepte diskutiert: Großspeicher, beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke, arbeiten auf der Ebene der großräumigen Verteilungsnetze. Der Strom für große Gebiete wird hier gespeichert. So können sehr viele Erzeuger zusammengefasst werden, allerdings sind dazu viele neue Leitungen erforderlich. Am anderen Ende der Skala finden sich Speicher, die direkt beim kleinen Stromerzeuger stehen, um ihm einen höheren Eigenverbrauch zu ermöglichen – er kann seinen Solarstrom auch nachts nutzen. Der in Neustadt installierte Ortsnetzspeicher arbeitet dazwischen, also auf lokaler Netzebene. Er fasst kleine Stromerzeuger innerhalb des lokalen Stromnetzes zusammen. Ein interessanter Versuch, die Vorteile einer intelligenten Vernetzung der Erzeuger ohne einen umfangreichen Ausbau des Verteilungsnetzes zu nutzen.