Europaweit erste Photovoltaik Anlage zur Stromerzeugung aus organischer Photovoltaik in Betrieb

Auf dem Gelände der Mainova AG in Frankfurt am Main wurde die europaweit erste Photovoltaik Anlage in Betrieb genommen, die ausschließlich die organische Photovoltaik zur Stromerzeugung nutzt. Dieser Modellversuch ist zunächst auf eine Dauer von zwei Jahren ausgelegt, eine weitere Anlage an einem anderen Standort in Frankfurt soll noch hinzukommen.

Eine Anlage zu Demonstrationszwecken

Die Leistungsdaten der Anlage klingen nicht sehr beeindruckend: Mit neun großen rechteckigen Modulen soll eine Leistung von 250 Kilowatt erreicht werden. Mit herkömmlichen Photovoltaik Modulen ließe sich deutlich mehr erreichen. Es ist jedoch nicht das Ziel der Anlage, durch einen hohen Wirkungsgrad zu überzeugen. Ganz im Gegenteil, die eingesetzten Solarmodule erreichen lediglich einen Wirkungsgrad von drei Prozent, kristalline Module erreichen heute das Sechsfache davon. Deutlich besser schneidet die Photovoltaik Anlage bei den Kosten pro Kilowatt ab, zumindest perspektivisch. Die genauen Kosten des jetzt installierten Prototyps wurden nicht veröffentlicht, sind aber auch nur wenig relevant. Die Module sind sehr leicht, daher konnte das Trägergestell in Leichtbauweise hergestellt werden. Darüber hinaus können die verwendeten organischen Halbleiterfolien grundsätzlich in einem einfachen Druckverfahren hergestellt werden. Wie teuer der Prototyp also auch gewesen sein mag – in der Massenproduktion ließe sich diese Solaranlage zu einem Bruchteil der Kosten einer herkömmlichen Photovoltaik Anlage herstellen.

Kostenvorteile der organischen Photovoltaik

Hier sind zunächst die Materialkosten zu nennen. Die organische Photovoltaik kommt ohne Silizium oder andere kristalline Halbleiter aus, die einen wesentlichen Anteil der Kosten herkömmlicher Module verursachen. Stattdessen kommen organische Kunststoffe aus Materialien zum Einsatz, die praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehen. Diese Folien lassen sich zu konkurrenzlos günstigen Preisen fertigen, da die bekannten Verfahren zum Bedrucken von Folien genutzt werden können. Verglichen mit der Herstellung kristalliner Photovoltaik Module sind der Zeitaufwand, der Personalaufwand und der Energiebedarf bei diesem Verfahren nahezu vernachlässigbar gering.

Keine Angst vor niedrigen Wirkungsgraden!

Eine der leitenden Ideen der organischen Photovoltaik besteht darin, geringere Wirkungsgrade durch größere Flächen zu kompensieren. Die Halbleiterfolien können auf nahezu alle Substanzen aufgebracht werden und sind dabei praktisch unsichtbar. Um es konkreter zu formulieren: Die heutige Photovoltaik Anlage auf dem Dach sollte nicht mit einer ebenso großen Anlage aus organischen Modulen verglichen werden, sondern mit einem Haus, das vollständig von einer Halbleiterfolie bedeckt ist. Wenn dann mehr Strom zu einem günstigeren Preis produziert wird, fällt dieser Vergleich zugunsten der organischen Photovoltaik aus. Insofern leidet die Demonstrationswirkung der jetzt in Betrieb genommenen Anlage ein wenig. Anstelle der neun rechteckigen Module hätten auch kristalline Module installiert werden können. Der wesentliche Vorteil der leichten und flexiblen organischen Solarfolien besteht aber gerade darin, auch dort genutzt werden zu können, wo an den Einsatz massiver kristalliner Module nicht einmal zu denken ist.

Bildquellen: Mainova AG