BeSte Stadtwerke und Trianel testen Verfahren zur Steuerung von Photovoltaik Anlagen

In einem Gemeinschaftsprojekt testen die Beverungen-Steinheim Stadtwerke GmbH (BeSte Stadtwerke) und die Trianel GmbH ein neues Verfahren zur intelligenten Steuerung von Photovoltaik Anlagen. Die Trianel GmbH, eine Kooperation mehrerer Stadtwerke, wird diesen Modellversuch demnächst auf einen eigenen Windpark ausweiten. Die Grundidee des neuen Verfahrens besteht in einer zentralen Steuerung zahlreicher Photovoltaik Anlagen. Damit wird die Leistungssteuerung nicht nur verbessert, sondern gegenüber einer individuellen Steuerung jeder Anlage auch deutlich preiswerter.

Jede Photovoltaik Anlage muss steuerbar sein

Seit Anfang des Jahres müssen auch Photovoltaik Anlagen mit einer Leistung von weniger als 100 Kilowatt eine Möglichkeit zur Leistungssteuerung bieten. Damit hat der Gesetzgeber auf das so genannten 50,2 Hertz-Problem reagiert. Dieses besteht darin, dass die Netzfrequenz des Stromnetzes steigt, wenn die eingespeiste Gesamtleistung größer als die abgenommene Strommenge ist. Aus diesem Grund müssen die Wechselrichter von Photovoltaik Anlagen eine Möglichkeit vorsehen, die Leistung zu drosseln, wenn bei gutem Wetter zu viel Strom eingespeist wird. Alternativ kann die Leistung pauschal auf 70 Prozent der Nennleistung beschränkt werden. Ziel der jetzt im Feldversuch zu testenden dynamischen Leistungsregelung ist es, das Abregulieren der Anlagen auf das erforderliche Minimum zu reduzieren. Ein nachvollziehbares Anliegen! Es ergibt wenig Sinn, den Wirkungsgrad der Solarmodule mit hohem Forschungsaufwand um zwei oder drei Prozent zu steigern und anschließend die Leistung pauschal um 30 Prozent zu drosseln.

Smart Metering als Grundlage

Grundlage des neuen Verfahrens ist das Smart Metering. Unter diesem Oberbegriff werden Messtechniken – also im Wesentlichen Stromzähler – zusammengefasst, die mehr können als nur Strom zählen. Primär werden solche intelligenten Stromzähler bislang im Kontext flexibler Stromtarife diskutiert, die Rabatte für Strom zu Tageszeiten mit geringer Nachfrage vorsehen. Die nächste Stufe der Flexibilisierung sind die Smart Grids, die dem Netzbetreiber eine Echtzeitsteuerung erlauben. Die Wachmaschine wird also nicht zu festen, als lastschwach bekannten Uhrzeiten eingeschaltet, sondern dynamisch per Fernsteuerung durch den Netzbetreiber.

Intelligente Messsysteme

Bei dem jetzt gestarteten Test zur Leistungsregulierung handelt es sich um einen Schritt in Richtung eines Smart Grids. Die angeschlossenen Wechselrichter werden zentral auf eine Einspeisung von 100, 70, 30 oder auch 0 Prozent eingestellt. Diese Entscheidung wird anhand der tatsächlichen aktuell eingespeisten Leistung getroffen, die der Netzbetreiber jederzeit über ein Smart Metering beobachten kann. Das gegenwärtig gebräuchliche Standardverfahren sieht dagegen vor, dass jeder Wechselrichter die Netzfrequenz überwacht und bei Erreichen definierter Schwellwerte selbständig die Leistung drosselt. Selbstverständlich wird diese Steuerung erheblich verbessert, wenn die Entscheidung über die Regulierung beim Netzbetreiber zentralisiert wird, der den Überblick über die gesamte Einspeisung und den gesamten Strombedarf hat.