Verordnungsentwurf zu Ausschreibungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Die Förderung von großen Photovoltaikanlagen auf Freiflächen wird noch in diesem Jahr auf ein Ausschreibungsverfahren umgestellt. Das Wirtschaftsministerium hat nun den Entwurf der entsprechenden Verordnung vorgelegt. Es ist anzunehmen, dass dieser Entwurf sehr bald weitgehend unverändert vom Kabinett beschlossen werden wird, da er unter den federführenden Ressorts bereits abgestimmt ist. Außerdem drängt die Zeit, denn die erste Ausschreibungsrunde ist bereits für den 15. April geplant.

500 Megawatt in diesem Jahr

Im Jahr 2015 sollen insgesamt 500 Megawatt ausgeschrieben werden, verteilt auf drei Bieterrunden. Nach heutiger Planung soll das ausgeschriebene Gesamtvolumen in den nächsten beiden Jahren um jeweils 100 Megawatt sinken, sodass 2017 nur noch 300 Megawatt ausgeschrieben werden. Gefördert werden dabei Anlagen mit einer Leistung von 100 Kilowatt bis zehn Megawatt. Diese Anlagen müssen auf bereits versiegelten Flächen oder auf Konversionsflächen errichtet werden. Die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen oder die Erschließung von Naturflächen ist nur in eng begrenztem Umfang dort erlaubt, wo die landwirtschaftliche Flächennutzung unwirtschaftlich ist.

Gebotspreisverfahren vs. Einheitspreisverfahren

In den USA und in anderen Ländern, in denen derartige Ausschreibungen bereits praktiziert werden, kommen zwei verschiedene Auktionsmodelle zum Einsatz. Im Gebotspreisverfahren erhält jeder Anlagenbetreiber eine Förderung in der Höhe, die seinem individuellen Gebot entspricht. Beim Einheitspreisverfahren gilt für alle Anlagen dieselbe Förderhöhe, nämlich die des teuersten Bieters, der noch einen Zuschlag erhalten hat (Grenzpreis). In Deutschland soll in den ersten beiden Ausschreibungen das Gebotspreisverfahren zur Anwendung kommen, danach das Einheitspreisverfahren. Später soll die Bundesnetzagentur, die für die Durchführung der Ausschreibungen verantwortlich ist, anhand der gemachten Erfahrungen frei zwischen beiden Alternativen wählen können. Auf den ersten Blick erscheint das Einheitspreisverfahren widersinnig und unnötig teuer. Schließlich erhalten fast alle Anbieter einen höheren Preis als den, den sie geboten haben. Dieses Argument ist jedoch nur teilweise richtig, weil sich die Bieter in beiden Auktionsformen sehr unterschiedlich verhalten. Im Gebotspreisverfahren verlangen die kostengünstigsten Bieter von Anfang an einen höheren Preis, um nichts zu „verschenken“ und möglichst nahe an den Grenzpreis zu kommen. Den höchsten Profit erzielt also derjenige, der den Grenzpreis am besten errät. Dazu ist es erforderlich, nicht nur die eigenen Stromerzeugungskosten zu kennen, sondern auch die der Wettbewerber. Das verschafft den Großkonzernen aufgrund ihres Informationsvorsprungs einen deutlichen Vorteil gegenüber Energiegenossenschaften und anderen kleinen Bietern. Welches Verfahren tatsächlich das geeignete ist, ist bis heute umstritten. In Kalifornien, wo man über sehr viel Erfahrung mit derartigen Ausschreibungen verfügt, hat man sich jedenfalls für das Einheitspreisverfahren entschieden. Eine Übersicht darüber, wie schwierig bereits die Festlegung eines Auktionsdesigns auf dem Photovoltaikmarkt ist, finden sie hier.

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